Texas: Das Ende der Trennung von Staat und Religion

Mehr als 15.000 evangelikale Christen versammelten sich im Football-Stadion von Houston. Initiiert vom republikanischen Gouverneur Rick Perry beteten sie für die Rettung Amerikas.

Wenn das ein islamischer Politiker sagen würde – der Westen würde laut aufschreien: „Wir lieben dieses Land über alles. Mehr aber noch lieben wir den lebendigen Christus!“ Als privates Bekenntnis eines Christen ist das mehr als in Ordnung. Wenn jedoch der Gouverneur eines Bundesstaat so eindeutig eine Religion umarmt ist dies höchst problematisch. Die Szene wird auch nur wenig besser, dass Perry am Samstagnachmittag vor 15.000 evangelikalen Christen ein Gebet für Präsdident Barack Obama spricht. Er bat Gott, er möge dem Präsidenten und seiner Familie ein Leben in Sicherheit gewähren.

Gouverneur Rick Perry ist ein Veteran der amerikanischen Politik: 14 Jahre lang schon steht an der Spitze des Ölstaats Texas. Er hat höhere Ziele und ein großes Vorbild. Wie sein republikanischer Landsmann George W. Bush, versteht er sich auf Propaganda. Nun soll Jesus Christus für ihn tätig werden: Zum Massengebet ruft er alle Christen im Reliant Stadium von Houston zusammen. Dort will er „Jesus Christus als Retter ausrufen“, so als würde Jesus seine Kandidatur zum Vizepräsidenten der USA bekanntgeben.

Das Anliegen ist natürlich ernst: „Menschen jedweden Alters, Rasse, Hintergrund und christlicher Herkunft“ sollen beten und fasten, damit Amerikas Probleme endlich gelöst werden: Schulden, Arbeitslosigkeit, Terrorismus und Naturkatastrophen sind die Übel, die der Gouverneur mit dem Gebet bekämpfen will.

Die verschiedenen christlichen Gruppen in Texas sind voller Euphorie. Sie wollen ihre Gläubigen mit Bussen zu dem Ereignis karren und erhoffen sich, dass „etwas wirklich Großes, Spirituelles“ geschehen werde, wie Reverend Terry Pierce dem Midland Reporter-Telegram zu Protokoll gab. Eine Familienstiftung, die sich für konservative Werte einsetzt, hat die Miete für das Stadium bezahlt.

Kritiker sehen das Ereignis weniger freundlich. Es gehe dem Gouverneur lediglich darum, sich als politische Stimme über Texas hinaus zu positionieren, vielleicht sogar als Präsidentschaftskandidat. Aus Sicht der Verfassung sei die Benutzung des offiziellen Briefpapiers des Gouverneurs für die Einladung ein klarer Bruch der Verfassung, sagt William Morris, Soziologe am Midland College.

Die Bewegung „Freedom From Religion“ hat bereits gegen Perry geklagt. Nicht weil sie sich daran stört, dass er sich zum Christentum bekennt. Sondern dass der Staat als offizieller Sponsor für eine Religion auftritt.

Wie immer bei der Vermischung von Religion und Staat kam es auch im Vorfeld des Events zu unangenehmen Misstönen: Schwule, Atheisten, Juden und Muslime wurden beschimpft, Hitler als fähiger Saubermann gelobt. Mit einer durchaus vorhandenen, wenngleich dezenten Nähe der amerikanischen Verfassung zu Gott hat das alles nichts zu tun. Jesus würde sich, wäre er nicht auferstanden, im Grab umdrehen.

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