Anonymität im Netz: Die Argumente der Friedrich-Gegner

Keine Anonymität im Netz mehr - der Innenminister verlangt, was Facebook und Google Plus schon seit einer Weile fordern. Die Netzgemeinde hält dagegen.

Klarnamenzwang schwebt nicht nur Innenminister Hans-Peter Friedrich, sondern auch den großen sozialen Netzwerken vor. Bei Facebook stimmt man bei der Registrierung einigen Nutzungsbedingungen zu, die unter anderem besagen, man müsse sich mit dem echten Namen und richtigen Informationen zur eigenen Person anmelden: „Sie werden keine falschen persönlichen Informationen über Facebook verbreiten oder ohne Genehmigung einen Account für jemand anderen erstellen als Sie selbst.“ Mehr als ein persönliches Profil ist demnach auch untersagt. Neben dem ausdrücklichen Verbot der Weitergabe des Passworts an andere, dürften viele Nutzer wohl diese beiden Paragraphen überraschen: „Sie werden Ihre Kontaktdaten richtig und aktuell halten“ und „Sie werden Facebook nicht nutzen, wenn Sie ein verurteilter Sexualverbrecher sind“. Was bis jetzt eine Art freiwillige Kontrolle war, könnte aber bald ernster werden:

Google Plus machte sich kürzlich bei seinen Nutzern unbeliebt, weil die Plattform Konten mit Pseudonymen löschte. Ein Nutzer rief daraufhin die gesamte Gemeinde auf, die Profilnamen in Google Plus auf ein Pseudonym zu ändern. Schließlich will man sich von einem sozialen Netzwerk nichts vorschrieben lassen. In eine anschließende Diskussion schaltete sich auch der bekannte Blogger, Autor und Journalist Sascha Lobo ein und unterstützte das Recht auf Anonymität im Netz. Aus Sicht der Internet-Gemeinde gibt es einige schlagende Argumente für die Anonymität im Internet:

Argumente der Internetgemeinde für Anonymität im Netz

Laut § 13 des deutschen Telemediengesetzes bestehe kein Anspruch darauf, dass ein Pseudonym mit einem Klarnamen in Verbindung gebracht werden muss.  In der Öffentlichkeit müsse man sich nicht jederzeit mit dem vollen Namen vorstellen, in der digitalen Öffentlichkeit könne das ebenso wenig verlangt werden. Getroffene Aussagen würden im Internet noch Jahre lang unter dem vollen Namen einer Person aufzufinden sein, auch wenn diese vielleicht ihre Meinung inzwischen geändert hat.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung werde in dem Moment beschnitten, wo man sich unter Angabe des vollen Namens der Intoleranz anderer stellen müsse. Die Identität des Einzelnen sei damit nicht mehr geschützt. Unter einem Pseudonym könne man meist freier sprechen und damit eventuell wertvollere Diskussionsbeiträge beisteuern, in jedem Fall aber seine wahre Meinung äußern, ohne Konsequenzen erwarten zu müssen.

Macht die Abschaffung der Anonymität im Internet Sinn?

Bundesinnenminister Friedrich will dem Terrorismus entgegentreten und anonyme Zusammenkünfte im Internet zukünftig unterbinden, denn, so Friedrich, ”wir haben immer mehr Menschen, die sich von ihrer sozialen Umgebung isolieren und allein in eine Welt im Netz eintauchen. Dort verändern sie sich, meist ohne dass es jemand bemerkt. Darin liegt eine große Gefahr, auch in Deutschland.”

Der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Stefan Plöchinger, hält dem entgegen: „Wenn sich eine Terrorzelle in der deutschen Provinz bildet, kann man das nicht verhindern, indem man Klarnamen statt Anonymität verordnet. Man muss im Gegenteil sogar darauf hoffen, dass sich die Gruppe im Gefühl vermeintlicher Sicherheit mit Hilfe des Internets organisiert, um ihre Planungen mitlesen zu können. So geschehen 2007 bei der Sauerland-Zelle [bis 2007 bestehende Terrorzelle der radikal-islamistischen terroristischen Vereinigung Islamische Dschihad-Union]“

An bayerischen Stammtischen gebe es ebenso undifferenzierte Thesen, wie in der Anonymität des Internets, argumentiert Plöchinger. Der Rückzug von der Gesellschaft in die Welt des Internets sei für den Einzelnen nicht gut, „ob auch für die Gesellschaft, ist eine andere Frage, es wird ja nicht gleich jeder Killerspieler zu einem Breivik“.

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