Gewalt in London: „Hier herrscht Krieg!“

Alles begann mit dem Tod eines 29-jährigen Mannes, der durch die Kugel eines Polizisten gestorben war. Jetzt wurden in der dritten Nacht in Folge Häuser und Autos angezündet. Mittlerweile haben sich die chaotischen Szenen auf weitere Orte ausgedehnt.

London, Birmingham, Liverpool, Bristol – Die kriegsähnlichen Szenen haben sich ausgehend von einem friedlichen Protest für den toten Mark Duggan  in Tottenham nun in der dritten Nacht in Folge auf weitere Städte im Königreich ausgebreitet. In der Hauptstadt wurden die Polizisten erneut mit Feuerwerkskörpern angegriffen, das Hab und Gut anderer in Brand gesteckt und Geschäfte leer geräumt.

Drei Demonstranten wollten Polizisten töten

Vor allem im Londoner Stadtteil Hackney gab es für die Jugendlichen offenbar kein Morgen mehr. Gleich hunderte plünderten Geschäfte und zündeten Autos an. Das sei der Aufstand der Arbeiterklasse. Man wolle den Wohlstand umverteilen, sagt einer von ihnen zu Reportern während insgesamt 239 Personen festgenommen – andere Quellen sprechen von weit über 300 – und gegen 45 Anklage erhoben wurde. Drei von ihnen hatten versucht einen Polizisten zu ermorden. Sie hatten den Beamten mit einem Auto angefahren und schwer verletzt.

1700 weitere Beamten im Großraum London

Augenzeugen sind fassungslos über das, was sich vor ihren Augen abspielt. Der 43-jährige Lehrer Matthew Yeoland ist entsetzt: „Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet und die Polizei hat nichts getan. Es waren zu viele Leute und zu wenige Beamte.“ Premierminister David Cameron ist mittlerweile auf den Plan gerufen. Seinen Sommerurlaub im fernen Italien hat er abgebrochen, um am Dienstag erste Krisensitzungen abzuhalten. Scotland Yard hat in der Nacht zum Dienstag 1700 weitere Beamte nach London abgestellt. Britische Medien sprechen von einer „Schlacht um London“.

Auch in London und Umgebung nutzen die Demonstranten das Internet, um sich zu organisieren und vor allem schnell zu reagieren. Diesmal sind allerdings weder Twitter noch Facebook unter den entscheidenden Medien, wie etwa bei der Organisation des arabischen Frühlings. Die Londoner Jugendlichen setzen auf den BlackBerry Messenger.

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Hier eine interaktive Karte, auf der alle Orte der  Krawalle eingezeichnet sind.

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