Warnungen via Facebook: Schwarzfahrer solidarisieren sich

Nicht nur Protestaktionen werden über Soziale Netzwerwerke organisiert. Neuerdings dient Facebook auch dazu, dass Straftaten unentdeckt bleiben. Via Internet warnen sich die User in Berlin gegenseitig vor Fahrscheinkontrollen.

„S3, S5, S75) 1 Mann & 1 Frau Sie: Blonde lange Haare, 1,76m, dunkel Khaki grüne Jacke Schwarze Umhänge-Tasche, Jeans und weiße Nike Airmax Er: kurze braune Haare, gut rasierter Bart, dunkel graue Jacke, Schwarze Umhänge-Tasche, dunkle Jeans, weiße Schuhe Viel Glück!“

Derart genaue Beschreibungen der BVG-Kontrolleure sind keine Seltenheit. Unzählige melden sich täglich auf der Pinnwand der Facebook-Gruppe „Schwarzfahren Berlin„, um mehr oder minder ausführlich ihre heißen Tipps abzugeben, bevor andere erwischt werden können. Blitzschnell ist in den letzten Tagen nicht nur die Userzahl angestiegen, auch die Verbreitung aktueller Ticketkontrollen in U- und S-Bahnen der Hauptstadt funktioniert immer schneller. Waren es am Sonntagnachmittag noch knapp 1500, haben sich am Mittwochmittag fast 5500 User eingeklinkt.

Facebook-Seite wird durch Twitter und App ergänzt

Auf die Pinnwand sollen sie auf Wunsch der Administratoren Linie, Richtung und eventuell auch das Aussehen der Kontrolleure posten. Alles andere, wie zum Beispiel „Grundwissen des Schwarzfahrens“, wird darüber hinaus in den Diskussionsrunden der Seite abgehandelt. Auf der anderen Seite weisen sie jedoch darauf hin: „Achtung! Schwarzfahren ist illegal. Jeder, der ohne Ticket fährt, macht sich strafbar. Wir unterstützen das NICHT!“ Vielmehr seien sie selbst verantwortlich für ihre Taten. Die Facebook-Page diene lediglich der „Aufzeichnung von Kontrollieraktivität und deren eventueller Effizienz“. Das Vorhaben wurde inzwischen ausgeweitet. So ist mittlerweile ein „Kontrolletti-Warner“  für Twitter (schwarzfahrenBE) und ein Frühwarn-App für das Handy zu haben.

Gerichte sehen sich Flut an Schwarzfahrer-Verfahren gegenüber

Die Berliner Verkehrsbetriebe sehen das Treiben unterdessen ziemlich gelassen und argumentieren, dass die Kontrolleure meist längst weitergezogen seien bevor sich eine solche Warnung ausreichend verbreiten könne. Sie glauben eher an die positiven Effekte: „Wir denken, dass das Wissen, dass Kontrollen stattfinden, eine eher abschreckende Wirkung hat. Wir werden deshalb nichts dagegen unternehmen“, so BVG-Sprecher Klaus Wazlak, der die Facebook-Seite mit Radarwarnungen  im Radio vergleicht. Und das könnte auch im Sinne der Berliner Gerichte sein, die sich derzeit einer wahren Flut von Verfahren gegen Schwarzfahrer gegenüber sieht. Anfang Juni dieses Jahres ging es beinahe bei jedem dritten Prozess in Berlin gegen Erwachsene um dieses Delikt. Bei Jugendlichen war es jeder Fünfte. Einige Richter wollten darauf hin die Notbremse ziehen und forderten, dass Schwarzfahren künftig nur noch als Ordnungswidrigkeit geahndet werden soll. Daneben sollten Hartz-IV-Empfänger nach ihren Vorstellungen kostenlos fahren dürfen.

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