Wegen Eskalation in Syrien: Türkei aktiviert pensionierte Offiziere

In Erwartung weiterer massiver Flüchtlingsströme aus dem benachbarten Syrien hat die türkische Regierung zu außergewöhnlichen Maßnahmen gegriffen. So wurden bereits pensionierte Offiziere berufen, um ihren Dienst in den türkisch-syrischen Grenzgebieten zu tun.

Offiziellen Angaben zu Folge befinden sich derzeit 7,239 syrische Flüchtlinge in der Türkei. Eine Zahl, die nicht wenige an die Situation während des Golfkriegs im Jahr 1991 erinnert. Als die Türkei zehntausende Menschen aus dem Irak aufnahm.

Neben einem massiven Flüchtlingsstrom befürchtet die türkische Regierung auch ein Einschreiten der NATO in Syrien. Experten sind der Meinung, dass die Zahl der Schutzsuchenden dann in ungeahnte Höhen schnellen werde.

Flüchtlinge könnten auch über Kilis und Mardin kommen

Am Donnerstag kam es unterdessen zu einem erneuten Zwischenfall. Die syrische Armee stürmte die Stadt Saraqeb, ganz in der Nähe der türkischen Grenze. Und das nur einen Tag, nachdem die syrischen Behörden eigentlich erklärten, dass sich das Militär aus dieser Region zurückgezogen habe. Darauf hin flohen erneut hunderte Menschen über die Grenze. Derzeit kommen die meisten von ihnen über Hatay. Doch in Zukunft könnten viele auch den Weg über Kilis und Mardin einschlagen.

Die Internationale Gemeinschaft drängt Syrien bereits seit längerem die blutigen Niederschlagungen gegen das eigenen Volk umgehend einzustellen. Erst am vergangenen Mittwoch gaben die USA neue Sanktionen gegen das Land bekannt. Auch der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu lässt nichts unversucht und traf sich in dieser Woche persönlich mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Damaskus, um die Forderungen zu wiederholen.

In der Zwischenzeit hat die Militärführung allen Offizieren, die in den letzten fünf Jahren aus dem Dienst ausgeschieden sind, einen erneuten Einzugsbefehl übermittelt, um mehr Personal in den Basisstützpunkten sowie in strategisch wichtigen Außenposten einsetzen zu können. Die meisten der wieder aktivierten Militärs werden denn auch ihren Dienst in der Nähe der türkischen Grenze aufnehmen. So wurden die Sicherheitsvorkehrungen an der İskenderun Naval Base mittlerweile verdoppelt.

Weitere 17000 Syrer auf dem Weg in die Türkei

Während des ersten Golfkriegs öffnete die Türkei auch für mehr als 3000 Mitglieder der Peshmerga Kräften ihre Türen. Die Erfahrung lehrte das Land, dass obwohl viele Nationen, darunter auch die USA. versprochen hatten in der Flüchtlingsfrage zu helfen, sich letztlich niemand an sein Wort gehalten hatte. Derzeit ist die Anzahl der syrischen Flüchtlinge bereits doppelt so hoch wie damals. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder. Was passiert, wenn die Zahlen weiter steigen, das weiß derzeit niemand. Es ist jedoch bekannt, dass bereits weitere 17.000 auf dem Weg in die Türkei sind.

Bereits in den vergangenen zwei Monaten musste die Regierung mit einem massiven Flüchtlingsstrom fertig werden. Ein entsprechendes Krisenkoordinationszentrum wurde eingerichtet, das bereits Maßnahmen in Hatay, Kilis and Mardin veranlasst hat.

NATO könnte Reaktion der muslimischen Welt auslösen

Ein mögliches Einschreiten der NATO, so ist die Türkei überzeugt, würde ihr Land am meisten treffen. Noch immer hofft man hier, dass die Situation ohne den Eingriff internationaler Kräfte gelöst werden könne. Auch eine mögliche Gegenreaktion in der muslimischen Welt wird gefürchtet.

Das Krisenkoordinationszentrum arbeitet eng mit dem türkischen Außenministerium, dem Innenministerium, dem Landwirtschaftministerium, dem Ministerium für Gesundheit, dem Handelsdezernat, der Polizei, der Generaldirektion für Grenzen und Küsten und dem Ministerium für Umwelt zusammen. Gemeinsam beobachtet man die Situation in den türkischen Grenzgebieten genau. Auch ein Quarantänezentrum für Tiere wurde inzwischen eingerichtet, da nicht wenige Syrer auch ihre Tiere mit in die Türkei bringen.

Nur die Türkei kann die Lage in Syrien entschärfen

Was eine NATO-Intervention bedeutet, das verdeutlicht Veysel Ayhan, Professor an der Bolu Abant İzzet Baysal Universität und Experte für den Mittleren Osten und Syrien. Er ist der Überzeugung, dass dieser Schritt die Region in eine absolute Hölle verwandeln würde. „Die Türkei befindet sich derzeit in der gleichen Lage wie im Jahr 1990. Es verfolgt eine proaktive Außenpolitik. Derzeit ist eine viel größere Flüchtlingswelle als die während des Golfkriegs sicher in der Türkei untergebracht. Es ist unwahrscheinlich, dass die Situation in Syrien in naher Zukunft gelöst wird. In Afghanistan und Libyen hat die NATO die Lage nicht besonders gut gehandhabt“, so der Professor. Er ist der Meinung, dass der Westen hier ohnehin wenig ausrichten könne. Einzig die Anstrengungen der Türkei könnten eine Lösung herbeiführen. Falls die NATO auf diesem langen Weg doch eingreifen würde, dann würde man in Zukunft noch mit viel schlimmeren Bildern konfrontiert werden.

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