Hama wie leergefegt: Journalisten betreten eine Geisterstadt

Nicht einmal 24 Stunden nach dem Treffen von Syriens Präsident Baschar al-Assad mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu wurde in der Rebellenhochburg Hama mit dem Abzug der Truppen begonnen. Jetzt sind die Journalisten zurückgekehrt. Doch die Stadt wirkt wie leergefegt.

Die zentralsyrische Stadt, die am Vorabend des Ramadans von Assads Truppen gestürmt wurde und währenddessen mehr als 100 Menschen getötet wurden, ist mittlerweile zu einer Geisterstadt verkommen. Nahezu alle Häuser in der Stadt, die einst Heimat von gut 700.000 Menschen war, wirken verlassen. Diejenigen, die noch in Hama geblieben sind, verstecken sich in ihren Wohnungen. Was bleibt sind menschenleere Straßen.

Die Belagerung der Stadt, die bereits im Jahr 1982 ein furchtbares Massaker mit mehr als 20.000 Toten erleben musste, begann am Vorabend des heiligen Fastenmonats. Jetzt, gut zwei Wochen später, sind zehn türkische Journalisten in Hama angekommen, um die aktuelle Lage zu begutachten. Sie trafen am vergangenen Donnerstagnachmittag nur kurz nach der Nachricht ein, dass die syrische Armee damit begonnen habe, ihre Panzer und schwere Artillerie aus der Stadt abzuziehen.

Ankara beobachtet das Handeln Syriens streng

Den Journalisten erstmals seit Beginn der Militäroffensive wieder den Zutritt zu gestatten gehörte zu den Forderungen des türkischen Außenministers während des Zusammentreffens mit Assad am vergangenen Dienstag. Ähnliches sollte, so  Davutoglu, auch für Städte wie Deir al-Zor und andere gelten. Ankara werde, so kündigte er an, in den nächsten Tagen streng beobachten, inwieweit sich Syrien an die Ratschläge der Türkei halte.

Nun wurden die türkischen Journalisten durch Hama geführt, um zu beweisen, dass das Militär wirklich auf dem Rückzug sei. In den Straßen waren weder Panzer noch bewaffnete Truppen zu sehen. Diese sind jetzt außerhalb Hamas angesiedelt. Lediglich einige Soldaten patroullierten in den Straßen. Doch aus Angst, dass ihnen doch etwas geschehen könnte, trauten sich auch die Bürger der Stadt nicht vor die Tür. Die meisten von ihnen glauben, dass das Militär noch immer in Hama sei. Auch die wenigen, die sich doch nach draußen wagten und sogar mit den Journalisten sprachen, gaben sich zugeknöpft. Niederschlagungen oder ähnliches wollen sie nicht gesehen haben. Schnell fanden die Journalisten jedoch heraus, dass sie zu denjenigen gehörten, die im Auftrag des Regimes genau diese Botschaft verbreiten sollten. „Alles ist in Ordnung!“

Die Soldaten konnten die Kinder Hamas nicht aufhalten

Die einzigen authentischen Botschaften, die nicht von den Soldaten kontrolliert werden konnten, waren die der Kinder. Sie wollten den Besuchern die zerstörte Hamidia Moschee zeigen. Das Militär konnte sie nicht davon abhalten. Sie berichteten von den Attacken, den Bombenangriffen, andere wagten sogar sich gegen Assad und sein Regime auszusprechen. Eines von ihnen war maskiert. Nur seine Augen waren zu sehen. „Seit 50 Jahren haben wir in diesem Land die gleiche Regierung“, erlärte es den Journalisten. „Sie sehen uns, wir haben keine Waffen. Doch sie greifen uns mit Panzern und Flugzeugen an. Ich sage Präsident Assad, auch wenn es schwer werden sollte, wir werden ihn stürzen.“

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