Alptraum in der Gondel: Schwere Vorwürfe gegen den Gleitschirmpiloten

Fast 20 Stunden mussten 20 Menschen in einer festsitzenden Seilbahn-Gondel in Sichtweite von Schloss Neuschwanstein ausharren, bis Rettungskräfte sie endlich bergen konnten. Nach dem ersten Schock steht für einige fest, der Gleitschirmpilot, der in das Tragseil gerast war, hat grob fahrlässig gehandelt.

Am frühen Samstagmorgen ist es soweit: Nachdem am Abend bereits 30 Personen aus einer talseitigen Gondel gerettet wurden, werden jetzt die restlichen 20 Eingesperrten aus 1500 Metern Höhe befreit. 18 lange Stunden mussten sie dort oben ausharren, weil am Freitagnachmittag um kurz nach 13 Uhr  ein 54-jähriger alter Gleitschirmpilot bei einem Tandemflug mit seinem 35-jährigen Passagier in das Tragseil der Tegelbergbahn gestürzt war. Beide kamen mit leichten Verletzungen davon. Hubschrauber brachten die Insassen aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen jetzt wieder zurück auf festen Boden.

Wegen starke Winde hatte die Rettungsaktion am Steilhang des Tegelbergs am Freitagabend zunächst abgebrochen werden müssen. Verpflegung, Decken und warme Schutzanzüge wurden mit Hilfe eines Seilfahrgeräts nach oben gebracht. Dann hieß es für die 15 Erwachsenen und fünf Kinder warten.

Flug in die Seilbahn: War es Fahrlässigkeit oder eine Windböe?

Nach dem ersten Schock werden jetzt schwere Vorwürfe gegen den Gleitschirmpiloten laut: „So kann man nicht fliegen, das ist grob fahrlässig“, urteilt der Geschäftsführer der Seilbahn, Franz Bucher über das Verhalten. Statt in die entgegengesetzte Richtung zu fliegen, sei der 54-Jährige direkt in Richtung Seilbahn geflogen. Auch ein Augenzeuge des Gondel-Dramas ist entsetzt: „Erst bei der Auswertung meiner Fotos sehe ich, dass der Pilot nach dem Ausdrehen die rechte Bremse nicht in der Hand hat. Mir ist unbegreiflich, wieso er in hundert Meter Flugstrecke bis zu den Seilen das Problem nicht beheben konnte – und sei es mit dem hinteren Tragegurt“, schreibt Manfred Laudahn.

Die Polizei geht jedoch davon aus, dass eine Windböe dem Gleitschirmflieger zum Verhängnis geworden sei und ihn in die Seile getrieben habe. Ein Überfliegen der Gondelseile ist streng verboten.

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