Ausschreitungen: Spanische Jugendliche lehnen Papstbesuch ab

Beim Besuch des Papstes Ratzinger in Spanien hat es Massenproteste gegeben. Diese richten sich vor allem dagegen, dass das Event, das in Verbindung mit dem Weltjugendtag in Madrid steht, aus Steuergeldern finanziert wird.

Beim Weltjugendtag und Papstbesuch in der spanischen Hauptstadt Madrid werden eine Million Besucher erwartet. Es ist der dritte Papstbesuch von Kardinal Ratzinger in Spanien nach 2006 und 2010. Damit ist Spanien das von ihm meistbesuchte Land, danach folgt Deutschland.

Am Mittwochabend hatte eine Protestkundgebung gegen Papst Benedikt XVI. stattgefunden. Nach Polizeiangaben nahmen 5000 Menschen daran teil. Ungefähr 140 Gruppen und Organisationen hatten dazu aufgerufen. Die Slogans der Protestierenden lauteten: „Von meinen Steuergelden nichts für den Papst“ und: „Für einen laizistischen Staat“.

Kritikpunkte finanzieller Art

Die Papst-Gegner stoßen sich daran, dass die Kosten des Jugendtreffs und des Papstbesuchs mit Steuergeldern finanziert werden. Die Kirche bestreitet dies. Sie sagt, der Weltjugendtag, der etwa 50 Millionen Euro verschlingt, werde von Sponsoren und Spendern getragen. Und auch die Regierung schließt sich dem an. Ihr zufolge wird das Treffen mehr Einnahmen als Ausnahmen einbringen.

Doch die Protestierenden gehen auch gegen die Missbrauchsskandale und gegen die Kirche als Institution auf die Straße. Transparente sind zu sehen, auf denen zu lesen ist: „Während in Somalia Millionen verhungern, gibt es hier Luxus für euren Papst!“

Wirtschaftliche Krise

Auf dem zentralen Platz „Puerta de del Sol“, der zum Symbol der „Movimiento 15-M“ („Bewegung 15. Mai“) geworden ist, dem Tag, als die landesweite Protestbewegung der „Empörten“begannen, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Pilgern. Das Resultat: Acht Festnahmen und elf Verletzte.

Der Papstbesuch fällt in eine für Spanien schweren Zeit. Eine hohe Arbeitslosigkeit, besonders unter Jugendlichen, sowie die harte Sparpolitik der Regierung belasten das Volk. Das Land steht unter Spannung und wartet auf die vorgezogenen Wahlen im November 2011.

Moralische Krise?

Spanien ist traditionell ein katholisches Land, aber in letzter Zeit hat eine sehr schnelle Säkularisierung stattgefunden. Daher vielleicht legt der Papst besonderen Wert auf diesen Besuch. Nach den letzten Umfragen sind heute nur noch zehn Prozent der spanischen Jugend praktizierende Katholiken.

Der Papst hatte kürzlich erst Kritik über die derzeitige sozialdemokratische Regierung in Spanien geäuβert. In derer Legislaturperiode wurden ein neues Abtreibungsgesetz und ein neues Scheidungsgesetz verabschiedet. Auch wurde die Homoehe zugelassen, was bei vielen Erzkatholiken auf starke Ablehnung stieß und zu Konflikten mit dem Vatikan führte.

Geplanter Anschlag

Am Dienstag wurde ein junger Mexikaner festgenommen, nachdem er in ultrakonservativen Internetforen angekündigt hatte, einen Anschlag gegen die Papstkritiker verüben zu wollen. Nach dem Oslo-Attentat wird vorsichtiger mit solchen Kommentaren umgegangen. Einer seiner Kommentare lautete: „Schwule im Namen Gottes töten!“. Auch Homosexuellenverbände nahmen am Protestmarsch teil.

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