Plagiat: Hat Elif Safak abgeschrieben?

Harte Vorwürfe gegen Elif Safak: Blogger werfen ihr vor, ihr neues Buch sei ein Plagiat. Die Autorin wehrt sich nach Kräften.

Kurz nach der Veröffentlichung des Romans „Iskender“ wurden Stimmen laut, das Werk sei ein Plagiat. Grund für die Vermutung waren die Blogger der Seite „Fikir Mahsülleri Ofisi“. Dort wurde Safaks Roman mit dem im Jahr 2000 erschienenen Buch „White Teeth“ (dt. Titel: Zähne zeigen) von Zadie Smith verglichen. Die Blogger sind der Meinung, „Iskender“ ähnele „White Teeth“ so sehr, dass man schon von einem Plagiat sprechen könne.

Bayatli zum Plagiatsvorwurf: „Das alles kann kein Zufall sein“

Den Plagiatsvorwurf bekräftigte Mefkure Bayatli gegenüber der Zeitung Vatan. Sie übersetzte „White Teeth“ ins Türkische. „Das alles kann kein Zufall sein. Safak hat Zadies Buch als Vorlage genutzt. Sie hat aus einer Familie in Smiths Buch eine türkische gemacht und daraus ein Buch geschrieben“, erklärte Bayatli.

Bayatli sagt, ein Plagiat würde sie nicht überraschen. Viele türkische Autoren würden  ihre eigenen Leser unterschätzen: „Sie glauben, als einzige die internationale Literatur zu verfolgen. Sie denken, dass sich niemand sonst auskennt. Doch es gibt Menschen in der Türkei, die nach Einfluss aus der Weltliteratur suchen und die Vorlagen für die türkische Literatur kennen. Beispielsweise ist der Grundgedanke in Virginia Woolfs „Orlando“ und Aziz Nesins „Betüs“ derselbe.“

Safak: „Es gibt Leute, die mich fertigmachen wollen“

Bei Safaks Roman handele es sich dagegen nicht mehr nur um Inspiration, so Bayatli in dem Interview. Smith`s Erfolg liege daran, dass sie die Menschen, über die sie schreibt, kenne. Safaks Nähe zu ihren Romanfiguren stellt Bayatli in Frage: „Kennt Safak diese Menschen so gut? Ich weiß es nicht. Wenn man nicht selbst aus einer Einwandererfamilie stammt, ist es ziemlich schwer, so eine Geschichte zu schreiben.“ Safak schreibe über eine Welt, die sie nicht kenne, so Bayatli weiter.

Die türkische Autorin wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. Sie vermutet andere Gründe hinter dem Vorwurf: „In der Türkei gibt es eine Hand voll Leute, die mich fertigmachen wollen.“ Safak betonte, sie nehme die Anschuldigungen nicht ernst.

Zadie Smith findet Plagiatsvorwürfe „lächerlich“

Die britische Autorin Zadie Smith äußerte sich zu den Diskussionen in Form eines persönlichen Briefes an Elif Safak. Sie schreibt:

„Liebe Elif, Hanif Kureishi hat mir die Links zu den absurden Meldungen, die unsere Bücher betreffen, geschickt. Ich wollte dir nur sagen, dass ich diese Behauptungen vollkommen lächerlich finde. Ich hoffe es wird alles gut. Bitte lass nicht zu, dass dich diese bösartigen Menschen beeinflussen oder niedermachen. Eine Autorin an eine andere Autorin mit Bewunderung, Zadie.“

Als Diplomatentochter verbrachte Elif Safak ihre Kindheit und Jugend in Ankara, Madrid, Amman, Köln, İstanbul, Boston, Michigan und Arizona. Sie studierte in Ankara Internationale Beziehungen sowie Gender und Frauen Studien und promovierte in Politikwissenschaften. Zurzeit lebt sie in den USA und lehrt an der Universität von Arizona Gender-Studien.

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