Ex-Armeechef packt aus: Erschütternder Zustand der türkischen Armee

Am Mittwoch sind Tonaufnahmen des ehemaligen Generalstabschefs Isik Kosaner aufgetaucht. Dabei handelt es sich um eine Abschiedsrede vor seinem Rücktritt. Er gesteht Fehler des Militärs ein, die er zuvor strikt dementiert hatte.

Während der PKK-Gefechte der letzten Monate wurde dem Militär immer wieder Fehlverhalten vorgeworfen, das den Tod vieler Soldaten zur Folge gehabt haben soll. Jetzt wurden Tonaufnahmen auf der Internetseite „Dailymotion“ veröffentlicht, die die Behauptungen beweisen.

Über eine Militäroperation, bei der 2010 sieben Soldaten ums Leben gekommen sind, sagt Kosaner: „Die Kommandeure haben ihre Waffen mitten im Gefecht liegen lassen und sind geflohen. Unbemannte Militärflugzeuge haben die Terroristen beobachtet. Wir haben trotzdem nicht eingegriffen.“Ayhan Say war einer der bei dieser Operation getöteten Soldaten. Sein Vater berichtete der Zeitung Zaman gegenüber, die Freunde seines Sohnes hätten ihm von dem Gefecht erzählt. Der befehlshabende Kommandeur habe die Soldaten allein gelassen, sei geflohen und habe sich versteckt. „Am nächsten Tag hat er so getan als sein nichts geschehen“, so Say.

Wurden unschuldige Soldaten „aus Versehen“ getötet?

Der Ex-Generalstabschef beklagte außerdem, die Soldaten seien nur unzureichend für solche Operationen ausgebildet. Wenn eigentlich nur ein Soldaten schießen sollte, sei es vorgekommen, dass mehrere das Feuer eröffneten und dabei eigene Männer erschossen: „Einem unschuldigen Soldaten wurde dabei direkt in den Kopf geschossen, ihr wisst alle wovon ich spreche“, so Kosaner.

Eltern, deren Söhne beim Militärdienst auf ähnliche Weise umgekommen sind, wurden bei diesem Bericht hellhörig. Ihnen wurde gesagt, ihre Söhne hätten mit einem Kopfschuss Selbstmord begangen. Sie vermuten, das Militär versuchte, so den wahren Grund für den Tod der Soldaten zu vertuschen.

Kosaner: „Es gibt Verräter unter uns“

Bei seiner Rede gab Kosaner zu: Wir haben uns außerhalb der Gesetz bewegt. Wir dachten, es würde immer so bleiben. Aber unter uns gibt es Verräter.“ Die Machenschaften des Militärs seien nun, laut Kosaner, ans Tageslicht gekommen, weil zu leichtfertig mit Informationen umgegangen worden sei: „Wir haben alles mögliche am Handy besprochen, haben unnütze Dinge auf unseren Laptops gespeichert. Dann haben sie gesucht und gefunden, was sie wollten.“

Die Aufnahmen liegen nun der Staatsanwaltschaft vor. Die Vorkommnisse, von denen Kosaner spricht sollen bis ins Details untersucht werden. Kosaner selbst hat noch nicht Stellung genommen.

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