Der politisch gefärbte Islam

Ein Muslim kann liberal sein. Er kann demokratisch sein. Er kann sich konservativ geben. Kommunistische und laizistische Muslime gehören ebenfalls zur Realität. Auch gibt es linke und rechte Muslime, rote und grüne Muslime, wie auch sozialistische und apolitische Muslime. Das alles ist möglich und keine Fantasievorstellung!

Das erste Adjektiv gibt in diesem Fall eine politische oder ideologische Orientierung wieder. Diese Orientierungen können im Kern islamisch sein oder auch nicht. Es liegt bei jedem Muslim selbst, ob er die nichtmuslimischen Elemente, falls vorhanden, aus den jeweiligen Orientierungen aneignen und mit seiner Identität in Einklang bringen kann.

Alle diese Orientierungen sind jedoch von Menschen gemacht. Sie sind Ideen, Philosophien oder Meinungen, wie eine Gesellschaft funktionieren kann. Sie sind nicht absolut und sind dem Wandel der Zeit ausgesetzt.

Der Islam jedoch ist keiner „menschlichen Idee“ entsprungen. Es ist der din (ungefähre Bedeutung: Religion), dessen Inhalt vom Schöpfer gefüllt ist. Dieser din beginnt nicht bei Muhammed. Vielmehr ist der Islam die Hingabe an das System Gottes, dessen Verkündung mit Adam begann und Muhammed endete.

Dass heißt, der Islam ist die Gesellschaftsvorstellung, die den menschlich-gemachten Orientierungen (s.o.) vorangeht. Es ist schon die „ausgearbeitete“ Systemgestaltung für den Menschen schlechthin.

Daher macht es nicht viel Sinn, den Islam mit politischen Etiketten zu beschmücken. Der Islam ist weder liberal, konservativ, demokratisch, sozialistisch, grün etc. Der Islam ist einfach nur der Islam. Die Vorstellung, es gebe einen liberalen Islam, einen konservativen Islam, einen laizistischen Islam etc. impliziert, dass der Inhalt des Islams widersprüchlich ist. Denn wenn der eine Islam liberal ist und der andere konservativ, wie ist das genau zu verstehen?

Die Muslime, die sich also dem System Gottes hingeben, können aber selbstverständlich politische Orientierungen haben und sich so bezeichnen. Der Muslim kann liberal sein, konservativ sein. Der Islam jedoch nicht.

Denn der Schöpfer ist absolut, die Schöpfung aber relativ. So sind auch die Gedankengänge des Menschen höchst eingegrenzt. Den Islam mit relativen, subjektiven, endlichen und beschränkten Ideen der Menschen zu bekleiden, kann nicht im Sinne eines Muslims sein.

Daher muss in der gegenwärtigen Debatte darauf verzichtet werden, den Islam politisch zu färben. Stattdessen sollte man von Muslimen sprechen.

Cemil Sahinöz

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