Treibhausgase: Türkei weigert sich die Emissionen zu reduzieren

Die Treibhausgas-Emissionen der Türkei waren einem Bericht der Bahçeşehir Universität zu Folge im Jahr 2009 ganze 98 Prozent höher als noch 1990. Bisher gibt es von Seiten der Türkei noch keinerlei Zusagen den Ausstoß zu reduzieren.

Der Bericht, der am Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (BETAM) unter der Leitung von Barış Gençer Baykan erstellt wurde, unterzieht die Türkei einem weltweiten Ländervergleich mit Blick auf eines der wohl meist diskutierten Themen: dem Klimawandel.

Seit 1990 ist das Emissions-Volumen in entwickelten Ländern direkt proportional zu deren Bevölkerungswachstum und Energiebedarf angestiegen. In der Türkei gab es zwischen 1990 und 2009 gar einen Anstieg um 98 Prozent. Andere Länder zogen hier deutlich an. In Inden stieg der Ausstoß um 152 Prozent, in China um 186 Prozent und im Iran ebenfalls um satte 137 Prozent. Auf der anderen Seite gab es während dieses Zeitraums allerdings auch Staaten, die ein völlig anderes Bild aufwiesen. Wie zum Beispiel die USA. Hier stiegen die Emissionen um sechs Prozent, in Australien nur um 6 30 Prozent an.

Die Türkei geht keine verpflichtenden Vereinbarungen ein

Dem Bericht zu Folge kann die große Kluft zwischen denjenigen Ländern mit einer niedrigen Austoß-Rate und solchen, mit exorbitant hohen Belastungen allein durch das Vorhandensein – oder eben nicht – von entsprechenden verpflichtenden Vereinbarungen erklärt werden.

Auch die Türkei hat nichts dergleichen unterzeichnet. Obwohl das Land das aktuelle Kyoto Protokoll unterschrieben hat, wurde ihr – wie vielen ihrer sich gerade entwickelnden „Kollegen“ – nicht vorgeschrieben, deutliche Kürzungen vorzunehmen. Bereits 2012 endet der erste Verpflichtungszeitraum (2008 – 2012). Nichtsdestotrotz zeigt sich die Türkei immer noch unwillig, etwas an seiner Klimapolitik zu ändern.

Diese Weigerung, so der Bericht, geht auf ökonomische Bedenken zurück. „Die Reduzierung der Treibhausgase wird sich auch auf die Wirtschaft des Landes auswirken“, heißt es darin. „Führende Persönlichkeiten gehen davon aus, dass ein solcher Schritt die Wettbewerbsfähigkeit einschränken wird.“

Türkei muss mehr in Erneuerbare Energien investieren

Baykan fand heraus, dass die Gründe für den Emissions-Anstieg der letzten 20 Jahre vor allem im Energiesektor zu finden sind. 75 Prozent der Emissionen fallen hier an. Im Jahr 2010 waren die Netto-Energie-Importe mit 34 Milliarden US-Dollar für fast die Hälfte des Außenhandelsdefizit von 76 Milliarden US-Dollar verantwortlich. Die Türkei, so mahnt der Bericht an, müsse sich dringend dem Thema stellen. „Die Regierung muss den Klimawandel ernst nehmen.“ Das Land sollte sich mit den langfristigen Folgen für die Türkei und die gesamte Region befassen und sich darüber hinaus auf die Entwicklung der so genannten „green economy“ konzentrieren. Auch die Forschung auf dem Feld der Erneuerbaren Energien müsse vorangetrieben werden.

Der Bericht mahnt zudem: Die Weltklimakonferenz, die vom 28. November bis 9. Dezember im südafrikanischen Durban stattfindet, könnte für die Türkei die letzte Möglichkeit sein zu handeln. Viel erwarten die Forscher allerdings auch diesmal nicht. „Falls sich die Türkei dazu entschließt, sich zur einer Reduktion seiner Treibhausgase zu verpflichten, dann muss das auf der Konferenz in Durban passieren. Falls es ein entsprechendes, verpflichtendes Abkommen geben wird, wird die Türkei zustimmen.“ Wahrscheinlich werde die Vereinbarungen jedoch wieder auf freiwilliger Basis sein. In diesem Fall, werde sich wohl auch in Zukunft nichts ändern.

Die Atomkraft stellt keine adäquate Lösung dar

Die türkische Regierung sucht unterdessen ihr Glück offenbar in der Atomkraft. Bis 2023 sollen insgesamt drei Kernkraftwerke gebaut werden. Schon jetzt sorgt das Vorhaben für heftige Kontroversen. „Meiner Meinung nach ist die Kernkraft keine gute Lösung“, so Baykan. Sie sei nicht nur zu teuer und viel zu riskant. Auch das Entsorgungsproblem der radioaktiven Abfälle sei alles andere als gelöst. Es sei eine Technologie, die spätestens seit der Katastrophe von Japan, abkömmlich ist.

 

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