Libyen: Rebellen planen Überfall auf Gaddafis Heimatstadt

Libysche Kämpfer arbeiten sich weiter in die Heimatstadt Muammar al-Gaddafis Sirte vor. Mit Verstärkung aus Tripolis wollen sie die Gefolgsleute Gaddafis restlos bezwingen. Diese Verstärkung lässt aber auf sich warten.

Muammar Al-Gaddafi gilt de facto als entmachtet, der Nationale Übergangsrat bildet die international anerkannte Regierung des Landes. Doch die Stadt Sirte gilt als letzte Bastion der Gaddafi-Anhänger. Die Rebellen hoffen, dass sich diese kampflos ergeben könnten, über Verhandlungen ist jedoch nichts bekannt. Kaum einer glaubt daran, dass Gaddafi sich in Sirte aufhalten könnte. Als wahrscheinlicher gilt, dass er sich noch immer irgendwo in Tripolis versteckt hält.

Im übrigen Land konnten die Rebellen wichtige Schlüsselorte erobern, darunter auch Ben Dschawad, das sie am späten Samstag für sich behaupten konnten. Nun warten die Kämpfer auf Verstärkung, um sich weiter Richtung Sirte vor zu arbeiten. Im Osten halten sich Einheiten der Rebellen rund 100 Kilometer vor Sirte auf. Im Westen sind die Aufständischen noch ca. 30 Kilometer von der Stadt entfernt. Die Nato hat am Sonntag den Vormarsch mit Luftangriffen in Sirte unterstützt.

In Tripolis kam es noch zu vereinzelten Kämpfen mit versprengten Anhängern Gaddafis. Menschenrechtsorganisationen berichteten von Massakern an Gaddafi-Gegnern. Westliche Staaten wollen sich wegen der erheblichen Versorgungsengpässe beraten, wie man die Rebellen unterstützen könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel begibt sich deshalb am Donnerstag nach Paris zur Libyen-Konferenz.

Gaddafis Sinneswandel: Er ist zu Gesprächen mit einer Übergangsregierung bereit

Gaddafi selbst scheint währenddessen zur Diskussion über einen Machtwechsel bereit. Sein Sohn al-Saadi soll die Verhandlungen führen. Zuvor hatte Gaddafis Sprecher Moussa Ibrahim telefonisch mitgeteilt, Gaddafi sei noch in Libyen und zu einem Gespräch über eine Übergangsregierung bereit. Der libysche Machthaber hatte noch eine Woche zuvor seine Gefolgsleute zum Weiterkämpfen aufgefordert, nun scheint sich seine Haltung geändert zu haben. Der Nationale Übergangsrat ist allerdings nur zu Verhandlungen bereit, sofern Gaddafi sich ergibt.

Sein Aufenthalt ist noch immer unbekannt, doch die Rebellen haben ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt – tot oder lebendig. Die Libyer werden aber dazu aufgerufen von Racheaktionen abzusehen. Mahmoud Jibril, der eine führende Rolle im Übergangsrat spielt, sagte: „Lasst euch nicht zurück werfen, während ihr feiert…wir alle haben das Recht zu verstehen, warum wir die letzten 42 Jahre so schlecht behandelt wurden. Aber jeder Gefangene wird einen fairen Prozess bekommen […]“

 

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