Erdogan: Alle haben die gleichen Rechte in der Türkei

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan hat bei einem gemeinsamen Fastenbrechen mit nicht-muslimischen Vertretern in der Türkei seine Anstrengungen für ein friedliches Nebeneinander der Religionen bekräftigt. Auch die EU hat davon wohlwollend Notiz genommen.

In Anschluss an einen Regierungserlass, nach dem alle konfiszierten Immobilien an Stiftungen für Minderheiten zurück gegeben werden sollen, hatte sich Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntagabend mit der nicht-muslimischen Gemeinde der Türkei zum gemeinsamen Fastenbrechen (Iftar) getroffen.

Erdogan richtete sich im Archäologischen Museum Istanbul, wo das Essen stattfand, in einer Rede an etwa 160 verschiedene Stiftungen. Hierbei hob er die Wichtigkeit des neuen Erlasses hervor, der Nicht-Muslimen in der Türkei mehr Rechte einräumt: „Es gab Zeiten, in denen Menschen in unserem Land wegen ihres Glaubens unter Druck gesetzt wurden, wegen ihres ethnischen Hintergrunds, der Art wie sie sich kleiden oder ihrer Lebensweise. Doch diese Zeiten sind vorbei. In den Augen der Verfassung und gemäß anderer Gesetze hat niemand in diesem Land mehr Rechte als ein anderer.“

Friedliche Koexistenz verschiedener Religionen mit gleichen Rechten

Weiter führte er aus: „Für uns können Grundrechte und Freiheit niemals ein Gefallen oder ein Geschenk sein; es ist unsere Pflicht die Probleme von jedem einzelnen Einwohner dieses Landes zu lösen, als ob es unser eigenes wäre.“ Dem gemeinsamen Iftar sprach Erdogan eine symbolische Bedeutung zu, weil Mitglieder verschiedener Glaubensrichtungen für ein Mahl zusammenkamen.

In diesem Zusammenhang hob er auch das friedliche Zusammenleben verschiedenster Menschen in Istanbul hervor: „Das hier ist Istanbul, wo Adhan [Ruf zum Gebet] und Kirchenglocken gemeinsam ertönen, wo seit Jahrhunderten Moscheen, Kirchen und Synagogen nebeneinander in der selben Straße stehen.“ Die Fehler der Vergangenheit würden sich nicht mehr wiederholen, die Tage in denen Menschen von der Ausbung ihres Glaubens abgehalten worden waren, seien vorbei.

Die EU heißt den Erlass der Türkei willkommen: Ein weiterer Schritt Richtung Beitrittsverhandlungen

Die Europäische Union hat den neuen Erlass und Erdogans Treffen mit Vertretern der nicht-muslimischen Gemeinde mit Wohlwollen aufgenommen. In einem Statement hieß es: „All dies ist positiv und förderlich für den Respekt von Freiheit und der Ausübung von Religion“ Die Türkei bewegt sich damit weiter auf einen EU-Beitritt zu. Die illegalen Enteignungen waren hierfür eine große Hürde gewesen. Religiöse Minderheiten in der Türkei – etwa 100.000 Menschen in einer Mehrheitsgesellschaft von 74 Millionen Muslimen – hatten in der Vergangenheit häufig Diskriminierungen beklagt.

Laut dem neuen Erlass muss die Türkei alle beschlagnahmten Immobilien den nicht-muslimischen Stiftungen zurückgeben und sie für die Immobilien entschädigen, die an Dritte weitergegeben wurden. Schon im Jahr 1936 wurden für eine mögliche Rückgabe Listen mit Immobilien und anderen Gütern von Minderheiten erstellt, aber durch Mustafa Kemal Atatürks Tod im Jahr 1938 gerieten diese Listen wieder in Vergessenheit. Der neue Erlass beinhaltet Waisenhäuser, Schulen, Friedhöfe, Stiftungen und andere Besitztümer.

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