Anti-PKK-Offensive: Kurden formieren „menschliche Schilde“

Kurden haben in der Nähe der irakischen Grenze "menschliche Schutzschilde" gebildet, um mögliche Einsätze des türkischen Militärs gegen PKK-Rebellen aufzuhalten. Das Vorhaben wurde angeführt von der kurdischen Politikerin Sebahat Tuncel, Mitglied des türkischen Parlaments. Gemeinsam wollten sie die weltweite Aufmerksamkeit auf den seit mehr als 30 Jahren andauernden Konflikt lenken.

Die Istanbuler BDP-Abgeordnete Tucel und eine Gruppe namens „Friedensmütter“, die aus Müttern gefallener Guerillas aber auch Soldaten besteht, haben einen Sitzstreik an der türkisch-irakischen Grenze abgehalten, nachdem die Türkei angedroht hatte, die Attacken gegen PKK-Standorte auszuweiten und gegen die Rebellen, die sich im unzugänglichen Qandil-Gebirge aufhalten, auch Bodentruppen einzusetzen.

„Menschliche Schutzschilde“ sollen die internationale Aufmerksamkeit auf den Konflikt lenken

Bereits seit einigen Wochen dauern die Kämpfe nun an. Den tödlichen Angriffen auf türkische Soldaten begegnete das Militär mit Luftschlägen auf irakisches Gebiet. „Seit 30 Jahren verfährt die Türkei nach der gleichen Methode, ohne jegliche Resultate“, erklärt Tucel gegenüber dem Magazin „rudaw.net„. Nun gäbe es neuerliche Luftangriffe und eine Bodenoffensive werde bald folgen. „Wir wollen die Aufmerksamkeit der Internationalen Gemeinschaft, aber auch der Türken und Kurden, auf diese Sache lenken. Seit gut 30 Jahren leiden die Kurden unter dem Konflikt“, so Tucel weiter. Und die Welt schweige weiter zum Vorgehen der Türkei.

Noch im Vorfeld der Parlamentswahlen am 12. Juni hatte Premierminister Recep Tayyip Erdogan entsprechende Verfassungsänderungen zu Gunsten der Kurden angekündigt. Tucel zeigt sich nun jedoch skeptisch über die wahren Intenionen Erdogans. In Wahrheit, so ihre Ansicht, sei es schon damals um einen Tag wie diesen gegangen (Krieg gegen die PKK). Er habe von einer Nation, einer Flagge und einer Identität gesprochen und dabei die Multikulturalität der Türkei ausgeblendet. Alles deute also darauf hin, dass diese ablehnende Haltung andauern werde. Ihrer Meinung nach habe er seinen Wahlsieg genau dazu ausgenutzt, um nun derart schwere Attacken gegen die PKK zu fahren.

Kurdische Mitglieder der AKP müssen handeln

Die jüngsten Zusammenstößte haben mittlerweile rund 250 Menschenleben gekostet. Auch die Verurteilung der Angriffe durch Massoud Barzani, Präsident der autonomen Region Irakisch Kurdistan, sowie durch das kurdische Parlament kämen ihrer Meinung nach zu spät. „Bereits zu Beginn der Angriffe war klar, dass es Opfer unter den Zivilisten in den Dörfern des Qandil-Gebirges geben würde.“

Jetzt baut Tucel auf die Kurden innerhalb der regierenden AKP. Sie sollten die Partei von innen heraus verändern. Falls dies nicht gelänge, sollten sie die AKP verlassen. Ob das wirklich eintreffe, wage sie jedoch zu bezweifeln. Sie glaube nicht, dass die dort vertretenen Kurden wirklich für die Interessen ihres Volkes einstehen würden. „Falls sie an Freiheit für das kurdische Volk glauben, dann müssen sie sich dem Kriegsgeschehen ab- und der Friedensseite zuwenden.“

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