Jesus Christus ist bei Facebook beliebter als Justin Bieber

Die Facebookseite "Jesus Daily" weist zwar nicht so viele Fans auf wie die von Justin Bieber, aber die Mitglieder sind weitaus aktiver. Christliche, muslimische und jüdische Facebookseiten boomen und Religion könnte sich durch die sozialen Netzwerke verändern.

Aaron Tabor, ein 41-jähriger Ernährungsberater aus den USA, hatte bereits durch die Vermarktung seines Diät-Ratgebers bei Facebook Erfahrungen mit dem sozialen Netzwerk gesammelt. Angeregt durch die Predigten seines Vaters, eines Pfarrers, mit denen er aufgewachsen war, kam Tabor die Idee zu „Jesus Daily„. Inzwischen gibt es auch eine deutsche, spanische und sogar eine ägyptische Seite, die jedoch noch nicht annähernd so viele Fans aufweisen.

Jesus Daily ist die aktivste Facebookseite und überholt selbst die Fanseite von Justin Bieber

Auf „Jesus Daily“ kann man hauptsächlich täglich Aussprüche von Jesus Christus lesen, aber auch ein Austausch mit anderen Gläubigen ist möglich. Diese nutzen das Angebot mehr, als man vielleicht erwarten würde: In den letzten drei Monaten haben mehr Menschen auf „gefällt mir“ gedrückt, Kommentare gepostet oder links geteilt, als auf jeder anderen Facebook-Seite. Selbst die Seite des Teenie-Idols Justin Bieber kann da nicht mithalten, so eine Analyse der Seite AllFacebook.com. „Jesus Daily“ habe in der vergangenen Woche bei 8,2 Millionen Fans 3,4 Interaktionen aufgewiesen, auf der Seite von Justin Bieber seien es nur 630.000 gewesen, obwohl die Seite über 35 Millionen Fans verzeichnet.

Ob Christentum, Islam oder Judentum: Religion im Internet ist „in“

Hier zeigt sich einmal mehr, wie soziale Netzwerke die Art zu kommunizieren, selbst die Art seinen Glauben auszuleben, beeinflussen. 31 Prozent der Amerikaner und 24 Prozent der Menschen außerhalb der Vereinigten Staaten geben ihre Religion in ihrem Facebook-Profil an. Über 43 Prozent der Facebook-Nutzer sind Mitglied in wenigstens einer religiösen Gruppe. Kirchen, Moscheen und Synagogen haben längst das soziale Netzwerk für sich entdeckt, um sich an ihre Gemeinden zu richten und den Austausch mit diesen zu verbessern. Religion ist „in“ und selbst das erste religiöse Spiel gibt es inzwischen bei Facebook, „Journey of Moses„.

Der Rabbinerin Laura Baum zufolge kommen heute wieder mehr Menschen zum Shabbat in die Synagogen, zudem gibt es Lesungen per live-Video auf Facebook, so dass man Juden aus aller Welt zusammenbringen kann. Auch der Islam ist auf Facebook vertreten. Nicht nur gibt es eine Seite mit dem Namen „Allah Daily„, sondern auch viele weitere, wie „Ka’aba – The House of Allah„, „Allah (c.c)“ oder „99 Names of Allah„.

Virtuelle Religion kann die echten Gemeinden nicht ersetzen

Einen wirklichen Besuch in einer Kirche, Moschee oder Synagoge kann eine solche virtuelle Glaubensgemeinde aber nicht ersetzen, da dürften sich die Vertreter der drei Institutionen einig sein. Der Papst Benedikt XVI. gab kürzlich in einem Statement bekannt, das Internet sei „Eine tolle Möglichkeit, aber virtueller Kontakt kann und darf nicht den Platz von direktem menschlichen Kontakt in allen Bereichen unseres Lebens einnehmen“. Der amerikanische Pfarrer Kenneth Lillard sieht das Potential von sozialen Netzwerken besonders in der Verbreitung von religiösen Botschaften und der Erweiterung der Gemeinden. Als Vergleich zieht er die Verbreitung der Thesen Martin Luthers durch den Buchdruck heran: „Soziale Medien machen meiner Meinung nach das Gleiche für die heutige Kirche.“

Aaron Tabor will mit „Jesus Daily“ vor allem eins: „Ich will, dass es die Menschen ermutigt. Es gibt so viele Menschen, die gegen Krebs kämpfen, die versuchen ihre Ehe zu retten oder ihre Beziehung zu ihren Kindern wieder zu verbessern. Es gibt Menschen, die keine Arbeit finden, die hinten anstehen und ich will, dass Jesus Daily ein zentraler Ort ist, an dem sie Ermutigung finden, egal was für einen Kampf sie austragen müssen.“ 

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