Tod von Osama Bin Laden: Bush hat sich nicht gefreut

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush empfand keinerlei Freude als er im Mai vom Tod Osama Bin Ladens erfuhr. Im Gespräch mit CNN schildert Dokumentarist Peter Schnall, der das einstige Staatsoberhaupt interviewt hat, seine Eindrücke über einen Präsidenten, der am Tag der Anschläge nicht selten überfordert schien.

Zum zehnten Mal jähren sich am kommenden Sonntag die Terroranschläge vom 11. September 2001. Tausende Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben. Wie aus dem Nichts wurde die USA angegriffen. Die Bevölkerung stand unter Schock. Der „Kampf gegen den Terror“ nahm seinen Lauf. Im Mai dieses Jahres dann die Nachricht: Terrorfürst Osama Bin Laden, der in aller Stille die Strippen hinter der furchtbaren Attacke gezogen hatte, wurde von einer US-Spezialeinheit in seinem Versteck in Pakistan aufgespürt und ermordet.

George W. Bush empfand keine Freude oder Glück

„Ich saß in einem Restaurant in Dallas als der Geheimdienst ihm erklärte, dass Präsident Obama ihn sprechen wolle. Dann wurde er über die Ermordung informiert“, erinnert sich Dokumentarfilmer Peter Schnall. Gegenüber dem Team erklärte Bush später, dass er „kein Gefühl von Freude oder Glück“ empfunden habe. Wenn überhaupt, dann habe er so etwas wie ein Gefühl, dass etwas abgeschlossen sei, gehabt.

Schall hat den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush im Rahmen der Dokumentation „George W. Bush: The 9/11 Interview“ gesprochen. Sie soll am zehnten Jahrestag der Attacke auf „National Geographic“ ausgestrahlt werden.

Bush war zum Zeitpunkt der Anschläge in Florida

„Im Laufe des Interviews haben wir gesehen, wie sehr der Präsident von den Ereignissen an diesem Tag (dem 11. September Anm.d.R.) eingenommen wurde“, erzählt Schall weiter. „Er war sehr emotional.“ Zunächst habe er gedacht, dass ein Leichtflugzeug auf Grund schlechten Wetters oder gesundheitlicher Probleme des Piloten in einen der Twin Towers geflogen sei. Doch dann die furchtbare Botschaft von Andy Card, unter George W. Bush Stabschef des Weißen Hauses: „Ein zweites Flugzeug hat den anderen Turm getroffen. Amerika wird angegriffen.“

Als Bush davon erfuhr, hielt er sich gerade in einem Klassenzimmer in Florida auf. „Man muss sich das vor Augen führen… er ist nicht in Washington. Er ist buchstäblich durchs ganze Land geflogen“, fährt Schall fort. In den darauf folgenden Stunden begann die Suche nach einem bis dato unbekannten Feind. Wichtige Entscheidungen wurden 40.000 Fuß über dem Boden in der Air Force One getroffen. Unter anderem ordnete Bush an auf Zivilflugzeuge zu schießen, die der „Federal Aviation Administration“ nicht antworten und so schnell wie möglich landen würden. Es gab eine Zeit, da war er sich nicht sicher, ob diese Anweisung nicht für den Crash desUnited Airlines Flug 93 in der Nähe von Shanksville, Pennsylvania, verantwortlich war. „Es waren Entscheidungen, die Bush zu treffen hatte… später haben sie ihn aufgewühlt. Und ich denke, das tun sie noch immer.“

Zehn Jahre nach 9/11 bereut Bush keine Entscheidung

Was Schall jedoch am meisten verwundert hat, war die Tatsache, dass Bush während der Ereignisse am 11. September offensichtlich überfordert zu sein schien. Überfordert jedoch in dem Sinne, dass er nicht wusste, mit welcher Art Feind man es eigentlich zu tun hätte. „Sie wussten nicht, ob es noch mehr Anschläge geben würde.“

Zehn Jahre später – mit Afghanistan und dem Irak im Hinterkopf – fragt Schall ihn, ob er denn etwas bereut hätte. „Ich hasse diese verdammte Frage“, entgegnet ihm Bush. „Er hat noch nicht mal das Wort ‚bedauern‘ benutzt. Er hat nie gesagt, dass er etwas anders gemacht hätte“, so Schall weiter. Doch der einstige Präsident kenne die Kontroversen und gar Spaltungen, die seine Entscheidungen ausgelöst hätten. „Diese Entscheidung, die damals getroffen wurden… haben unser Leben und unsere Welt heute verändert.“

http://www.youtube.com/watch?v=yy1nFyT6AsU

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