Von Gaddafis Sohn misshandelt: Türkischer Koch berichtet

Ein türkischer Mann, der im Haus von Muammar al-Gaddafis Sohn als Koch arbeitete, ist seinen Angaben zufolge Opfer von Misshandlungen geworden. Daran beteiligt soll auch dessen Frau Aline Skaf gewesen sein. Sie soll ihn sogar niedergestochen haben.

Der 54-jährige Adnan Tam, der nach seiner Flucht aus dem Tyrannenhaus gerade in der türkischen Botschaft in Tripolis auf seine Heimkehr wartet, erklärte laut Angaben von „Zaman“ gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur „Anatolia“, dass er vor gut einem Jahr aus Samandağı, in der Provinz Hatay, nach Libyen gekommen sei. Obwohl ihm zunächst erklärt wurde, dass er im Haus eines libyschen Geschäftsmannes arbeiten sollte, sei ihm sehr schnell nach der Ankunft in der Hauptstadt klar geworden, um wen es sich hier eigentlich handle – um Gaddafis Sohn Hannibal Gaddafi.

„Sie nannten mich den „türkischen Verräter“

Die Behandlung durch seine Vorgesetzten hätte sich im Februar dieses Jahres verändert –  just zum Zeitpunkt, als sich die Türkei auf die Seite der Rebellen gestellt hätte.

„Viele Menschen aus dem Sudan, Mali, Syrien, Äthiopien, Ägypten und Algerien arbeiteten im Haus von Hannibal Gaddafi. Auch für mich war die Situation am Anfang durchaus gut. Die Misshandlungen und Folterungen begannen erst, als die Türkei ein Hilfsschiff zu den verwundeten Rebellen in Misrata entsandte. Sie hassten mich. Sie demütigten mich, indem sie mich den ‚türkischen Verräter‘ nannten. Es verging kein Tag, an dem ich nicht gequält, erniedrigt oder verletzt wurde. Ich wurde von Hannibal und seinen Leute viele Male geschlagen. Seine Frau Aline war eine Neurotikerin. Sie war diejenige, die mich am häufigsten quälte.“

Wie Tam berichtet, war es äußerst schwierig, dem streng bewachten Haus seines Chefs zu entfliehen. „Selbst, wenn ich es geschafft hätte zu entkommen, sie hätten mich sofort aufgespürt, da sich Tripolis zu jener Zeit noch unter der Kontrolle Gaddafis befand“, so der Koch weiter.

„Ich sah, wie Aline das kochend heiße Wasser über sie schüttete“

Doch nicht nur er selbst war Opfer von Misshandlungen, er musste sie auch mitansehen. So wurde er Zeuge, wie Aline der Kinderfrau Shweyga Mullah (30) heißes Wasser über den Kopf kippte, nachdem diese sich geweigert hatte, deren Tochter zu schlagen. „Auch eine andere Bedienstete war diesen Torturen ausgesetzt. Wir waren im selben Haus wie Shweyga untergebracht. Ich sah, wie Aline das kochend heiße Wasser über sie schüttete. Sie haben sie im Badezimmer eingesperrt. Sie töteten auch andere ausländische Bedienstete, damit sie nichts ausplaudern können.“

Mullah wurde vor kurzem allein in einem Raum in einem verlassenen Badeort im Westen von Tripolis gefunden, der dem libyschen Diktator zuletzt gehörten. Die äthiopische Einwandererin sagte, sie sei vor einem Jahr als Kindermädchen für die junge Tochter Gaddafis und deren Sohn nach Libyen gekommen. Ihr Kopf und ihr Körper waren großflächig mit Schorf bedeckt, Beweise für die vermeintlich grausame Bestrafung durch Gaddafis Frau.

„Der Imam der Moschee versteckte mich für eine Woche“

Tam gibt an, dass Gaddafi und seine Frau am 21. August Tripolis verlassen hätten, als die Rebellen in die Stadt vordrangen. „Dann bin ich aus dem Fenster der Toilette geflohen. Ich flüchtete in eine Moschee, da unsere Botschaft geschlossen worden war. Der Imam der Moschee versteckte mich für eine Woche. Er war sehr freundlich zu mir. Er gab mir Essen und Wasser. Dann blieb ich in einem türkischen Restaurant. Ich sah im Fernsehen, dass unsere Botschaft wieder geöffnet werden sollte. Ich flüchtete mich in die Botschaft, als sie wieder geöffnet hatte. Wenn ich nicht entkommen wäre, hätten sie mich auch getötet, um mich am Sprechen zu hindern „, so Tam. Der neu ernannte Botschafter der Türkei, Ali Kemal Aydin, arbeite nun persönlich  daran, seine Rückkehr in die Türkei zu ermöglichen. Die Kosten für seine Rückkehr würden ebenfalls von der Botschaft übernommen.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.