İshak Alaton: Als Jude war ich in der Türkei glücklicher als ich es in Israel gewesen wäre

Für den jüdischen Unternehmer Ishak Alaton, der in der Türkei lebt, kommt es nicht infrage, angesichts der derzeitigen Querelen zwischen Israel und der Türkei seine Wahlheimat zu verlassen.

Der 84-Jährige ist einer von 25.000 in der Türkei lebenden Juden. Für die derzeitige Krise zwischen Israel und der Türkei macht er vor allem die fehlenden menschlichen Beziehungen beider Länder verantwortlich. Das gute Verhältnis in der Vergangenheit habe eher auf militärischer Zusammenarbeit beruht, erklärte Alaton gegenüber dem Deutschlandfunk.

Um staatliche Konsequenzen aus der Krise mache er sich keine Sorgen: „Ich würde sogar sagen, dass diese Regierung mehr Verständnis für uns Minderheiten hat als alle Vorgängerregierungen. Ich kann mich noch an die 40er, 50er und 60er-Jahre erinnern, als wir in Gesetzen als hier lebende ‚Ausländer‘ bezeichnet wurden. Heute sind wir vor dem Gesetz gleichberechtigte Bürger dieses Landes. Warum sollte ich mir heute mehr Sorgen machen, als gestern?“

Negative Stimmung zwischen Israel und der Türkei

Zuletzt wurde beschlossen, Minderheiten zu entschädigen, deren Besitz aufgrund eines Enteignungsgesetztes in der Vergangenheit beschlagnahmt wurde. Der türkische Ministerpräsident Erdogan äußerte sich jedoch wiederholt öffentlich negativ gegenüber Israel. Diese Stimmung fühle Alaton jedoch auch in Israel: „Ich kann mir vorstellen, dass es in Israel einige gibt, die nichts dagegen hätten, wenn die jüdische Gemeinde in der Türkei unter dieser Krise leiden müsste, denn dann könnten sie sagen: Kommt doch nach Israel! Das käme für mich überhaupt nicht infrage, denn in Israel läuft es in die falsche Richtung, die Regierung wird immer repressiver.“

Alaton meint, die Beziehung beider Länder werde sich weiterhin verschlechtern, bis sie sich schließlich wieder verbessern werde.

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