Welche Krise? Türkische Wirtschaft erneut überragend

Die türkische Wirtschaft ist im zweiten Quartal des Jahres 2011 erneut um 8,8 Prozent gewachsen. Die Erwartungen der Ökonomen wurden damit weit übertroffen. Einmal mehr kann die Türkei so seinem Ruf als "Tiger-Staat" gerecht werden.

Die an diesem Montag veröffentlichten Zahlen haben mit Blick auf die bisherige Entwicklung im Jahr 2011 die Erwartungen leicht übertreffen können. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im zweiten Quartal um 8,8 Prozent. Und das zu einer Zeit, in der die Nachbarn des Landes mit schweren politischen Unruhen und finanziellen Rettungsaktionen zu kämpfen haben.

Nach Angaben des türkischen Amts für Statistik konnte die Türkei auch in diesem Quartal erneut um 1,6 Prozent zulegen und legt so das neunte Wachsumtsquartal hintereinander hin. Dieser Wert liegt deutlich über den Erwartungen des Marktes. Auch  der türkische Zentralbankchef Erdem Basci, der ein vierteljährliches Wachstum von „nahezu null“ prognostiziert hatte, wurde nun eines Besseren belehrt.

Nihat Ergün, Industrie- und Handelsminister der Türkei, erklärte gegenüber dem türkischen Fernsehen, dass er selbst von diesem starken Wachstum überrascht worden sei. Die Quote von 8,8 Prozent zeige jedoch, dass die Türkei über eine Wirtschaft verfüge, die auch in schwierigem Umfeld ihre Gelegenheiten zu nutzen wisse. Die Regierung war schon 2010 überrascht worden. Damals war man eigentlich von rund 7,0 Prozent Wachstum ausgegangen. Tatsächlich wurden 8,9 Prozent erreicht.

Wachstumszahlen der Türkei werden nach oben korrigiert

Jetzt mussten auch vorherige Wachstumszahlen entsprechend nach oben korrigiert werden. So liegt das Gesamtjahreswachstum für 2010 nun nicht mehr bei 8,9 sondern bei neun Prozent. Auch die Expansion im ersten Quartal dieses Jahres wurde nachgebessert und liegt jetzt statt bei elf auf 11,6 Prozent.

Doch nicht nur die Zahlen an sich, auch die Schnelligkeit des Wachstums hat die Volkswirte in Erstaunen versetzt.  „Die türkische Wirtschaft wächst, egal was da kommt“, fasst Özgür Altug, Chefökonom bei BCG Capital Partners in Istanbul, zusammen und hofft, dass diese Werte nun auch die türkische Zentralbank von weiteren Zinssenkungen (aktuell liegen diese bei 5,75 Prozent) abhalten könnten.

Expansion der Türkei steht im Gegensatz zu Griechenland

Der rasante Aufschwung der Türkei steht allerdings im krassen Gegensatz zur Situation vieler ihrer Nachbarländer in der Europäischen Union, insbesondere Griechenland, das derzeit kurz vor der Staatspleite steht. Daneben zementiert die wirtschaftliche Situation der Türkei auch die Stellung von Premier Recep Tayyip Erdogan, der erst am 12. Juni dieses Jahres wiedergewählt wurde.

Fast paradox erscheint hier die Tatsache, dass ausländische Investoren kaum an türkischen Vermögenswerten interessiert sind. Gegenüber dem Dollar als auch dem Euro bleibt die Lira derzeit auf einem niedrigen Niveau. Und auch die türkischen  Papiere werden aktuell 1,4 Prozent niedriger bei 55109.40 Punkten gehandelt.

Türkei hat mit steigendem Leistungsbilanzdefizit zu kämpfen

Entscheidend für die weitere Entwicklung der Türkei wird nach Ansicht von Ökonomen sein, wie die Regierung diese Lage unter Kontrolle behalten wird. Immerhin sieht sich das Land mit einem steigenden Leistungsbilanzdefizit konfrontiert, das derzeit rund acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Nicht wenige deuten dieses steigende Ungleichgewicht als erstes Anzeichen einer Überhitzung.

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