China kann nicht der Retter Europas sein

China hat beim World Economic Forum in der chinesischen Hafenstadt Dalian angekündigt, dass es Europa und den Vereinigten Staaten sowohl mit neuen Investitionen als auch mit dem Kauf von Staatsanleihen zu Hilfe kommen möchte. Dass den Worten des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao auch konkrete Taten folgen, darf jedoch bezweifelt werden.

In seiner Rede vor den rund 1700 Teilnehmern des dreitägigen Treffens deutete Wen Jiabao selbst an, welche Probleme sein Riesenland bereits jetzt hat. „Chinas Entwicklung ist noch unausgeglichen, unkoordiniert und nicht nachhaltig“, fasst der Politiker zusammen. Konkret heißt das, dass China in den vergangenen Jahren zwar ein jährliches Wachstum zwischen neun und zehn Prozent aufweisen konnte – auch 2011 rechnen die Experten mit neun bis 9,5 Prozent – doch genau dieses große Wachstum wirkt sich jetzt auch auf die Inflation aus. Noch vor ein paar Jahren lag diese zwischen null und drei Prozent. Jetzt beträgt sie rund 6,5 Prozent, und ist damit deutlich höher als der langjährige Durchschnitt. Die Folge: die Preise steigen deutlich an.

Der chinesische Immobilienmarkt ist ein Riesenproblem

Doch das ist nicht die einzige Baustelle: „In vielen Bereichen herrscht ein regelrechter Investitionsboom, der schnell zu Überkapazitäten führen kann“, erläutert Christof Römer vom IW-Köln im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Viele Experten würden, so Römer weiter, das größte Problem auf dem chinesischen Immobilienmarkt sehen. Die chinesische Regierung sieht das offenbar ganz ähnlich. Man ist dabei das Wachstum zu dämpfen und werde auch, wie Christian Dreger vom DIW gegenüber den DMN bestätigt, in naher Zukunft nicht umhin kommen, weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen wie eine „restriktivere Kreditvergabe der staatlich kontrollierten Banken und Zinsanhebungen durch die Notenbank“ anzuwenden.

Insgesamt verliert das Wachstum in China derzeit deutlich an seiner Dynamik. Gemäß einer Analyse der Bespoke Investment Group hat der Aktienindex von Shanghai zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr verloren. Und das Wall Street Journal empfiehlt den Chinesen schon jetzt: „Spart einiges von Eurem Cash und kauft Eure eigenen Anleihen.“ Viel Spielraum, um europäische Schrottpapiere zu kaufen und den Krisenländern damit unter die Arme zu greifen bleibt da nicht.

Rezension Chinas hat starke Auswirkungen

Zwar sei in China noch bei weitem keine Rezession zu erkennen, wie in einigen Teilen der Europäischen Union. Aber die Entwicklung könne theoretisch, so Christof Römer weiter, zu Exportrückgängen und verschlechterten Investitionsbedingungen führen. Der Experte erklärt: „Wir gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Probleme in China noch nicht so groß sind, dass es in diesem und im nächsten Jahr zu einem sehr starken Einbruch der Wirtschaftsleistung führen wird.“ Komme es in den nächsten zwölf Monaten allerdings tatsächlich zu einer Art Rezession, werde es sehr starke Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben.

Mehr hier:

China bietet Europa und USA Finanzhilfen an

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.