Ertan Taskiran (CDU): „Ich vermisse den Willen der Migranten, sich politisch einzubringen“

Bei den anstehenden Landtagswahlen am Sonntag treten erstmals in der Geschichte der BRD in einem Wahlkreis - im Berliner Bezirk Kreuzberg Nordost - nur türkischstämmige Kandidaten an. Kandidat Ertan Taskiran, Chef des Deutsch-Türkischen Forums der CDU Berlin, fordert ein "sauberes und drogenfreies Kreuzberg". Insgesamt wünscht er sich von Migranten mehr politisches Engagement.

Deutsch Türkische Nachrichten: In Ihrem Wahlkreis (Wahlkreis 3) im Berliner Bezirk Kreuzberg Nordost treten am Sonntag zur Abgeordetenhauswahl nur türkischstämmige Kandidaten mit Wahlchancen an – für Sie ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Ertan Taskiran: Es steht jedem zu zu kandidieren. Auf die Herkunft zu beschränken ist ein falsches Signal. Die Wähler schauen auf die Themen, die sie bewegen, nicht auf die Herkunft.

„Drogenproblem in Kreuzberg massiv bekämpfen“

Was unterscheidet Sie von den anderen Kandidaten?

Ertan Taskiran: Mein Anliegen ist es dort zu helfen, wo das Leben in Kreuzberg nicht gelingt, daher stehe ich für ein sicheres, sauberes und drogenfreies Kreuzberg. Zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit bedarf es Unterstützung bestehender Firmen und Förderung neuer Ansiedlungen, daher muss die Wirtschaftsfreundlichkeit in der Verwaltung erhöht werden. Das Drogenproblem in Kreuzberg muss massiv bekämpft und intensiv überwacht werden. Die anderen Kandidaten sprechen diese Themen nicht an.

Im vergangenen Jahr haben Sie CSU-Chef Seehofer für dessen Aussagen scharf kritisiert, dass Türken und Arabern die Integration schwerer falle, weil sie aus einem anderen Kulturkreis kommen. Hat sich Ihre Sicht auf Herrn Seehofer inzwischen gewandelt?

Ertan Taskiran: Es tut Deutschland gut, wenn wir Themen sachlicher angehen ohne die Probleme zu ignorieren. Ich empfehle meinen Parteifreunden bei der Wortwahl sensibler umzugehen ohne die Menschen zu verletzen.

Kritiker sehen in Ihnen eine Art „Alibi-Migranten-Politiker von Kreuzberg“. Was setzen Sie denen entgegen?

Ertan Taskiran: In Reinickendorf kandidiert Emine Demirbüken-Wegner für die CDU. In einem anderen Wahlkreis in Kreuzberg kandidiert Timur Hussein, auf der Bezirksliste steht Aysegül Övünc. Auf einem sicheren Listenplatz für Bezirksverordenetenversammlung stehen 3 Kandidaten türkischer Herkunft. In allen Parteien sind die Migranten deutlich unterpräsentiert. Es ist die Aufgabe der Parteien die Migranten stärker für die politische Arbeit zu gewinnen. Andererseits vermisse ich den Willen der Migranten, sich politisch einzubringen. Das Interesse und Vertrauen der Migranten an die Politik muss gestärkt werden.

„Brennende Autos in Berlin Ergebnis einer verfehlten Politik“

Speziell für Berlin sind die Nacht für Nacht brennenden Autos. Die CDU hat im Wahlkampf besonders auf dieses Thema gesetzt. War diese Strategie richtig?

Ertan Taskiran: Die CDU steht immer für eine konsequente Politik gegen jede Form von Gewalt. Mehr als 500 Autos haben dieses Jahr in Berlin gebrannt. Es ist ein Thema, was die Berlinerinnen und Berliner aufregt. Wir können uns nicht erlauben bestimmte Themen nicht mehr anzusprechen, nur weil Wahlkampf ist. Die brennenden Autos in Berlin sind das Ergebnis einer über viele Jahre hinweg verfehlten Politik. Der rot-rote Senat hat in den vergangenen Jahren 4.000 Stellen bei der Polizei gestrichen.

Was sind die Berlin-spezifisch drei größten Probleme, die angegangen werden müssen?

Ertan Taskiran: Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Situation der Schulen und Kitas sowie die Sicherheit.

Wie steht es um die Migrationspolitik Ihrer Partei – sind Sie damit zufrieden?

Ertan Taskiran: Die Berliner CDU hat in ihrem Integrationspapier zahlreiche konservative Positionen liberalisiert unter Berücksichtigung der Sorgen und Ängste der einheimischen Bevölkerung. Damit wollen wir aufholen, was in den vergangenen Jahren versäumt worden ist.

Was sind die größten Herausforderungen in der Ausländerpolitik?

Ertan Taskiran: Die größten Herausforderungen: Frühzeitiges Erlernen der deutschen Sprache, Erhöhung der Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen, Stärkung der Frauen und Unterstützung der Integration vor Ort.

„Leistung der ersten Generation nicht deutlich gewürdigt“

Wird die Leistung der Türken beim Aufbau der Bundesrepublik Ihrer Meinung nach 50 Jahre nach dem Anwerbeabkommen in diesem Land genügend gewürdigt?

Ertan Taskiran: Wir haben der ersten Generation viel zu verdanken. Die Lebensleistung der ersten Generation ist nach meiner Ansicht weder von der türkischen noch von der deutschen Seite deutlich gewürdigt worden.

Fühlen sich Türken heute mehr integriert als vor 50 Jahren?

Ertan Taskiran: Viele Türken sind gut integriert und bereichern Deutschland. Sie leisten als Ärzte, Polizisten, Handwerker, Händler, Arbeitnehmer und Unternehmer einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung Deutschlands und identifizieren sich mit Deutschland.

Interview: Felix Kubach

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