Türkei: Jetzt schon 40 Prozent gegen EU-Beitritt!

Die Anzahl derjenigen türkischen Bürger, die sich derzeit gegen einen EU-Beitritt ihres Landes aussprechen, ist auf 35-40 Prozent gestiegen. Das gab der türkische Europaminister Egemen Bağış während der achten Jahrestagung von YES (Yalta European Strategy) in Jalta bekannt.

Heute würde sich die EU, so Bağış, mehr für eine Mitgliedschaft der Türkei einsetzen. Dennoch, so gibt er zu verstehen, gäbe es noch eine ganze Reihe an ungelösten Problemen. Der Minister zeigte Verständnis für die Stimmung unter den türkischen Bürgern, die das Gefühl hätten, dass die Beitrittsverhandlungen zum Stillstand gekommen seien. „Wenn türkische Bürger auf ein Visa warten müssen, um ein europäisches Land bereisen zu können, fühlen sie sich natürlich weniger als Europäer.“

Bağış fordert die EU zum Handeln auf

Bezug nehmend auf die florierende Wirtschaft des Landes warnte er: „Die Welt verändert sich so rasend schnell, dass die EU sich überlegen muss, wie sie die Türkei in Kürze zu ihrem Mitglied machen kann.“ Ein Europa ohne die Türkei, das Land mit der derzeit am schnellsten wachsenden und immerhin sechstgrößten Volkswirtschaft innerhalb der EU, mit einer jungen, dynamischen Bevölkerung und der stärksten Armee, habe in Sachen Sicherheitspolitik keine Chance. „Ich glaube, die Tage, in denen Europa das Potential der Türkei erkennt, sind sehr nah“, so Bağış weiter.

Der schwedische Außenminister Carl Bildt zeigt sich unterdessen überzeugt, dass die EU-Beziehungen zur Türkei auch diejenigen zu den übrigen Ländern des Mittleren Ostens sowie zur gesamten muslimischen Welt beeinflussen werden. Seiner Meinung nach habe die Türkei in den vergangenen Jahren „fantastische“ Fortschritte zu Wege gebracht und zähle neben der Ukraine zu den derzeit dynamischsten Staaten.

Auch Mevlüt Çavuşoğlu, Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE), brach eine Lanze für sein Land. „Die Türkei ist ein europäisches Land und unterstützt europäische Werte.“ Das wichtigste Kriterium hier sei die Religionsfreiheit, welche für die türkische Regierung eine unabkömmliches Angelegenheit sei. Auf der anderen Seite, so fuhr Çavuşoğlu fort, würde jedoch Europa manchmal seine eigenen Regeln brechen. Denn es gäbe immer noch einige Türken, die in Europa leben, die diese religiöse Freiheit nicht genießen würden.

Abdullah Gül plädiert in Berlin für Vollmitgliedschaft

Trotz dieser Zahlen hat Präsident Abdullah Gül, der sich derzeit zu einem Besuch in Deutschland aufhält, bekräftigt, dass das Ziel seines Landes weiterhin die Vollmitgliedschaft sei. Die von der Bundesregierung favorisierte „privilegierte Partnerschaft“ lehnte er ab.

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