Aiman Mazyek: Dem Papst ist der Dialog mit Muslimen wichtig

Aiman Mazyek, Chef des Zentralrats der Muslime in Deutschland, spricht über die bevorstehende Begegnung mit Papst Benedikt XVI. in dieser Woche sowie die Erwartung an die Kirche hinsichtlich eines Zeichens der Solidarität in Richtung Gleichbehandlung von Islam und Christentum.

Deutsch Türkische Nachrichten: Welchen Stellenwert hat für Sie der Papstbesuch in Deutschland, was erhoffen Sie sich davon?

Aiman Mazyek: Der Dialog zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und den muslimischen Religionsgemeinschaften ist in den letzten Jahren ein wenig eingeknickt. Gab es früher noch regelmäßige Treffen auf informeller Ebene, ist dies heute nicht mehr der Fall. Dass der Papst die muslimischen Vertreter nun bei seinem Besuch empfängt, ist ein Schritt zu einer Wiederannäherung. Es zeigt, dass der Papst diesem interreligiösen Austausch mit uns Muslimen einen großen Wert beimisst. Ich hoffe, dass diese Begegnung Termin dem christlich-muslimischen Dialog neue Impulse hierzulande verleiht.

In einigen Statements der vergangenen Tage konnte man lesen, dass viele Muslime gar nicht so sehr an dem Papstbesuch interessiert scheinen. Stimmt das?

Aiman Mazyek: Das würde ich nicht so sehen. Ich glaube, die deutsche Öffentlichkeit hat einen großen Interessenschwerpunkt darin gelegt, dass der Papst Deutscher ist. Bei den Muslimen ist der Schwerpunkt eigentlich der interreligiöse Dialog und die Tatsache, dass einer der wichtigsten christlichen Führer unser Land besucht. Ein weiterer Punkt ist der, dass dadurch wiederum allzu deutlich wird, dass das Gemeinsame beider Religionen viel mehr ist, als das Trennende. Aber wir Muslime beobachten schon mit Interesse, wie er reagiert, auch in Bezug auf die Vergangenheit – ich denke da etwa an seine missverständliche Rede 2006 in Regensburg, in der er viele Muslime vor den Kopf stieß.

Regensburger Rede: „Es bleibt so ein ‚Geschmäckle'“

Erwarten Sie von ihm ein klares Statement, um vielleicht dieses Missverständnis von damals wett zu machen?

Aiman Mazyek: Ich glaube, er weiß auch, dass das nicht mit Statements zu leisten ist. Nach der Regensburger Rede gab es eine ganze Reihe an fruchtbarem Austausch zwischen muslimischen Gelehrten und dem Vatikan. Dieser Austausch hat auch eine Menge an Irritationen genommen. Es bleibt natürlich so ein „Geschmäckle“ übrig. Wichtiger ist es, den Dialog konkret voranzutreiben. Die Erwartung des Zentralrats der Muslime ist, dass die Kirche und auch die Deutsche Bischofskonferenz stärker einer Gerechtigkeitsformel ihre Solidarität bekunden, was die Frage der Gleichbehandlung und Gleichberechtigung der Muslime hierzulande angeht. Und bei Themen von Muslimdiskriminierungen und Islamfeindlichkeit würden wir sehr begrüßen, wenn in Zukunft noch deutlicher die Kirche ihre Stimme dagegen erhebt.

Was werden Sie denn selbst dem Papst sagen, haben Sie sich schon etwas zurecht gelegt?

Aiman Mazyek: Ich werde ihm meine Anerkennung zollen für seinen beherzten Einsatz zum Dialog. Es liegt jetzt vor allen Dingen an uns deutschen „Kontrahenten“, also sprich den muslimischen Religionsgemeinschaften und der Deutschen Bischofskonferenz, einen konkreten Gesprächsfahrplan aufzunehmen.

Der Islamrat soll nicht mit bei dem Treffen dabei sein. Warum?

Aiman Mazyek: Das weiß ich nicht. Ich kann diese Entscheidung als derzeitiger Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime (Anm. der Redaktion: Zusammenschluss der grossen Dachverbände DITIB, VIKZ, Islamrat und Zentralrat) nur bedauern.

Was halten Sie davon, dass der Papst im Bundestag spricht?

Aiman Mazyek: Das wurde natürlich elegant gelöst, als dass er ja auch als Staatsoberhaupt des Vatikan spricht. Aber es wird natürlich die Diskussion zum Thema Trennung von Staat und Religion noch einmal befeuert. Es wird hoffentlich auch eine fruchtbare Diskussion sein.

Können Sie die Heftigkeit der Debatte nachvollziehen?

Aiman Mazyek: Sagen wir es mal so, die Bauchschmerzen bei dem einen oder anderen kann ich verstehen. Auf der anderen Seite muss man sich der Diskussion meiner Meinung nach ohne Polemik stellen. Und mancher polemisiert in der Debatte.

„Papstbesuche in den 80ern waren weitaus umstrittener“

Es scheint fast so, als würden sich, vielleicht auch aufgrund des Image-Verlustes der Kirche durch den Missbrauchsskandal, viele Menschen Kritik erlauben, die sie sich früher vielleicht nicht zu äußern getraut hätten. Hat der Papst an Respekt verloren?

Aiman Mazyek: Ich erinnere mich noch an Papstbesuche in den 80er Jahren, die weitaus umstrittener waren. Persönlich finde ich, wie bereits gesagt, besonders eine konstruktive Auseinandersetzung der Religionsgemeinschaften in der Frage der Gleichberechtigung angebracht. Manche Polemik finde ich nicht ganz so passend.

Interview: Felix Kubach

Lesen Sie hier weitere Statements zum Papstbesuch in Deutschland von:

Eren Güvercin, Ismail Ertug, Arif Ünal, Cemil Sahinöz, Tülay Schmid, Macit Karaahmetoglu, Lamya Kaddor, Ercan Karakoyun

 

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