Staatspräsdenten Wullf und Gül: In Osnabrück gefeiert wie Popstars

Der türkische Staatspräsidenten Abdullah Gül besuchte am Dienstag für einen Tag Osnabrück, die Heimatstadt des deutschen Bundespräsidenten Wulff. Mitten in den Besuch platzte die Nachricht, in der Hauptstadt Ankara sei eine Bombe explodiert.

Nachdem vor einigen Monaten der deutsche Bundespräsident Christian Wulff Kayseri, die Heimatstadt des türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül besuchte, kam nun dieser am Dienstag für einen Tag nach Osnabrück, in die Heimatstadt Wulffs. Als Journalisten begleiteten wir die beiden Präsidenten.

Als der Besuch Güls einige Tage zuvor unter den Türken in Deutschland bekannt geworden war, stürmten viele von ihnen nach Osnabrück. Ab 11 Uhr standen die ersten vor dem Rathaus und warteten auf ihren Staatspräsidenten. Doch genau zum Zeitpunkt, als die Organisatoren türkische und deutsche Flaggen verteilten, kam die schlechte Nachricht aus Ankara: Eine Bombe war explodiert. Es gäbe Tote. Diese Nachricht machte schnell die Runde unter der schnell anwachsenden Menschenmenge. Gegen 12 Uhr hatten sich bereits einige hundert Menschen vor dem Rathaus versammelt, die lautstark Willkommensgrüße für Gül skandierten. Als 15 Minuten später Wulff und Gül zusammen mit ihren Ehegattinnen eintrafen, tobte die Menge. Die Präsidenten gingen zu den Zuschauern und begrüßten sie. Viele Menschen umarmten Abdullah Gül, einige weinten vor Freude.

Zwei Kirchenbesuche, aber keine Moschee auf der Liste

Nach dem Gang ins Rathaus unterstrich Bundespräsident Wullf in seiner Rede die herzliche Atmosphäre bei seinem Besuch in Kayseri. Abdullah Gül äußerte sich zum Terrorakt in Ankara vom Dienstag. Er sagte, dass dies nur eine Tat von Menschen sein könne, die keinerlei Menschlichkeit empfänden und so unschuldige Zivilisten töteten.

Bei einem anschließenden Besuch der Sankt Marienkirche und der nur 200 Meter entfernten Dom St. Petrus Kirche wurden Abdullah Gül und seine Frau immer wieder von Dutzenden seiner Landsleute begrüßt und umarmt. Deutsche Journalistenkollegen äußerten anerkennend, sie hatten nicht mit so vielen Menschen gerechnet. Und erst recht nicht, dass diese Menge die Präsidenten überall hin mit verfolgen würde, als wären sie Popstars. Deutsche Zuschauer würden in der Regel direkt nach der Begrüßung wieder den Heimgang antreten. Ein Moscheebesuch stand nicht auf dem Programm.

Bei einer Rede in der Universität Osnabrück verurteilte auch Bundespräsident Christian Wulff, der selbst Student auf dieser Universität war, das Attentat in Ankara aufs schärfste. Abgesehen davon äußerte er jedoch seine Zufriedenheit über die neuesten Entwicklungen in der Türkei, etwa auch in dem Punkt der Ausbildung von Pfarrern und Priestern.

Gül: Defizite in der Ausübung der Religionsfreiheit

Die letzte Rede des Abends hielt der türkische Staatspräsident Abdullah Gül. Auch er betonte erneut, dass der Terrorakt in Ankara den Frieden unter den Völkern nicht stoppen werde. Des Weiteren kam er auf die deutsche Gesetzgebung in puncto Religionsfreiheit zu sprechen. Diese sei zwar gegeben, habe jedoch in der Praxis noch Defizite. So müssten die Islamische Theologie und der Islamische Religionsunterricht an Qualität gewinnen, damit auch muslimische Deutsche und Migranten ihre Religion lernen könnten. Weiterhin sagte Gül, dass der Islam ethnisch, geographisch und sprachlich nicht gebunden sei. Es gäbe Muslime aus allen Ethnien, Ländern und Sprachen der Welt. So seien es letztendlich deutsche Muslime, die hier leben, wählen, Deutschland loyal gegenüber stehen und ihre Religion professionell und vor allem „richtig“ erlernen wollen.

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