Rätsel um hohe Selbstmordrate unter Frauen in türkischer Provinz Van

Eine hohe Selbstmordrate von Frauen in der östlichen Provinz Van erregt in der Türkei Aufsehen. 22 Frauen haben sich Berichten zufolge bereits in den ersten acht Monaten dieses Jahres hier das Leben genommen.

Ein Frauenverein in der östlichen Provinz Van habe in einer Pressekonferenz alarmierende Zahlen zur Selbstmordrate, sexuellen Übergriffen, häuslicher Gewalt und Inzest für das laufende Jahr in der Provinz bekannt gegeben, berichtet „Hürriyet Daily News“.

Selbstmorde oder doch auch Morde?

Die Soziologin Aylin Celik, die in dem Frauenverein mit dem Namen VAKAD arbeitet, habe demnach erklärt, 22 Frauen hätten in den ersten acht Monaten des Jahres 2011 in Van Selbstmord begangen, aber man wisse nicht, wie viele der Todesfälle tatsächlich Selbstmorde seien oder ob nicht vielleicht doch auch Morde dahinter steckten: „Wenn wir mit den Familien der Opfer sprechen wollen, verschließen sie sich gegenüber dem Thema. Leider gibt es kein Zeugenschutzprogramm in der Türkei, weshalb viele Frauen es vermeiden, darüber zu sprechen“, so Celik gegenüber dem türkischen Blatt.

Es gebe zudem einen gravierenden Mangel an Frauenhäusern in Van, so Çelik. Und: Dort könnten nur Frauen aufgenommen werden, deren Leben nicht bedroht sei, alle anderen müssten eine staatliche Anlaufstelle wählen. Celik weiter: „Allerdings haben wir herausgefunden, dass drei der Frauen, die getötet wurden in diesem Jahr, von Beamten staatlicher Schutzeinrichtungen dazu angehalten worden waren, mit ihren Ehemännern Frieden zu schließen. Das Problem liegt aber viel tiefer als die bloße Aushandlung eines Friedens zwischen diesen Frauen und ihren Ehemännern“.

Viele Opfer der Todesfälle jünger als 18 Jahre

Gül Kiran, ein weiteres VAKAD-Mitglied, fügt hinzu, viele der Opfer seien jünger als 18 Jahre alt: „Zehn von diesen Frauen waren 18 Jahre alt oder jünger, fünf waen 19 Jahre alt, während der Rest über 19 war. Wir haben auch festgestellt, dass es mindestens fünf Mal so viele Suizidversuche gab wie Selbstmorde, die zum Tod geführt haben.“ Darunter habe es zum Teil dubiose Todesfälle gegeben.

Eine von fünf Frauen, die sich aufgrund von sexueller Gewalt gegen sie an den Verein wende, sei ebenfalls ein Opfer von Inzest, ergänzt Çelik: „Wir sind sehr besorgt, dass 26,4 Prozent der Frauen, die sich an den Verein gewendet haben, erklärten, sie seien Opfer von Inzest geworden. Die Häufigkeit von sexueller Gewalt ist mit 30,9 Prozent das auffälligste neben Inzest.“

378 Frauen und vier Homosexuelle hätten sich aus der Region Van  in den ersten acht Monaten dieses Jahres an den Verein gewandt, so Kiran.

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