Überraschung von Erfurt: Benedikt XVI. trifft Missbrauchsopfer

Am zweiten Tag seines Deutschlandaufenthaltes ist Papst Benedikt XVI. am Abend völlig überraschend mit Missbrauchsopfern katholischer Geistlicher zusammengekommen. Das Treffen fand im Erfurter Priesterseminar statt. Dort sprach der Pontifex ihnen „sein tiefes Mitgefühl und Bedauern" aus.

Bis zum vergangenen Freitagabend ließ Papst Benedikt XVI. für nicht wenige Kritiker ein scharfes Profil seines ersten offiziellen Besuchs in der alten Heimat vermissen. Zwar fand seine Rede vor dem Deutschen Bundestag als auch sein anschließender Gottesdienst im Olympiastadion große Beachtung. Doch klare Worte, etwa zum Thema Kirchenspaltung, ließ das Oberhaupt der Katholischen Kirche bis dahin vermissen.

Im thüringischen Erfurt dann die Überraschung: Joseph Ratzinger hat sich mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester sowie im Anschluss mit denjenigen Menschen ausgetauscht, die sich um die Opfer kümmern und ihnen helfen. Das teilten der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz mit.

Papst will Maßnahmen zum Schutz von Kindern fördern

Von offizieller Seite wird das Treffen des 84-Jährigen, das gut eine halbe Stunde dauerte und nicht Teil seines offiziellen Besuchsprogramms war, als „sehr, sehr emotional“ beschrieben. Teilgenommen hatten Bürger aus verschiedenen Regionen Deutschlands, die unterschiedliche Schicksale zu tragen hätten. In der dazu veröffentlichten Erklärung heißt es: „Bewegt und erschüttert von der Not der Missbrauchsopfer hat der Heilige Vater sein tiefes Mitgefühl und Bedauern bekundet für alles, was ihnen und ihren Familien angetan wurde.“

Missbrauch am Canisius-Kolleg erschütterte Deutschland

Er habe den Anwesenden versichert, dass den Verantwortlichen in der Kirche an der Aufarbeitung aller Missbrauchsdelikte gelegen sei und sie darum bemüht seien, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Papst Benedikt XVI. sei den Opfern nahe und bringe seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der barmherzige Gott, der Schöpfer und Erlöser aller Menschen, die Wunden der Missbrauchten heilen und ihnen inneren Frieden schenken möge.

Im Jahr 2010 kamen durch Schüler des von Jesuiten geführten Canisius-Kollegs in Berlin jahrelange Übergriffe durch Ordensmitglieder ans Tageslicht. Hunderte Opfer traten in Folge dessen an die Öffentlichkeit. Die Zahl der Kirchenaustritte nahm rasant zu.

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