Griechischen Schulen in der Türkei droht die Schließung

In privaten und öffentlichen Schulen der Türkei werden seit Beginn des Schuljahres 2011/2012 rund 16 Millionen Schülerinnen und Schüler unterrichtet. In größeren Städten kämpfen die Einrichtungen häufig mit überfüllten Klassenräumen. Anders gestaltet sich die Situation in der griechischen Community des Landes, die kaum noch vorhanden zu sein scheint.

Ein Fall ist die Zapyon Grund- und Gesamtschule in Istanbul. Im Jahr 1875 gegründet, gehörten ihr einst rund 1500 Schülerinnen und Schüler an. Heute sind es gerade einmal 110 Kinder, die das Gebäude mit Leben füllen. Die einzige griechische Schule in der Türkei, die Kindergarten und weiterführende Schulformen vereint, konnte in diesen Jahr gerade einmal acht neue Schüler in der ersten Klasse begrüßen.

„Für das nächste Schuljahr rechnen wir nur noch mit drei neuen Schülern für die erste Klasse. Wenn das so weiter geht, dann werden wir wahrscheinlich in zehn Jahren keine Absolventen mehr verabschieden können“, erklärt Nikos Kefalas, Stellvertreter des Schulgründers. Noch schlimmer sei es der Kadıköy Grundschule ergangen. Da sich für dieses Schuljahr nur ein Schüler angemeldet hätte, sei sie gar nicht erst geöffnet worden.

Griechen in der Türkei wollen nicht Spielball des Konflikts sein

„Das macht mich sehr traurig. Denn eine Schulschließung kommt für mich immer einer Ermordung gleich“, so Kefalas weiter. „Mit uns verhält es sich wie mit dem Waldrapp [ein Vogel auf den Rand des Aussterbens]. Wir müssen geschützt werden.“ Kefalas ist enttäuscht darüber, dass jedes Mal, wenn es Probleme zwischen der Türkei und Griechenland gebe,  es in seinen Augen die griechische Community in der Türkei sei, die „bestraft“ werde. „Wir sind nicht aus Griechenland, obwohl wir die Sprache und die Religion der Griechen aus Griechenland zu teilen“, betont der Stellvertreter. „Wir sind Bürger der Türkei. (…) wir wollen nicht dafür bestraft werden, wenn es einen Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland gibt. Aus diesem Grund hasse ich das Wort ‚Gegenseitigkeit‘.“

Kefalas bezieht sich mit „Gegenseitigkeit“ auf die Politik in der Türkei und Griechenland, wie beide Länder kleinere Minderheiten unter ihren Bürger behandeln. Laut einem Bericht aus dem Jahr 2010, der von der Türkischen Stiftung für Wirtschaftliche und Soziale Studien (TESEV) herausgegeben wurde, würden beide Staaten seit Jahrzehnten „ihre eigenen Bürger als Geiseln“ halten und sie im Namen eines Sieges in der eigenen Außenpolitik gegenseitig aufstacheln. Obwohl in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts weniger als 100,000 Griechen in der Türkei lebten, haben die Spannungen zwischen den beiden Staaten ihr Überleben stark beeinflusst. Im Zuge der Unruhen von Istanbul am 6. und 7. September 1955 und der Deportation von rund 12.000 Menschen griechischen Ursprungs ohne türkische Papiere im Jahr 1964, wurde die griechische Population innerhalb der Türkei kontinuierlich kleiner. Allein in Istanbul ist war sie 1966 auf unter 30.000 geschrumpft. Heute sind es nicht einmal mehr 3,000 landesweit.

Türkische Schulen in Griechenland werden besser unterstützt

Doch das nur am Rande. Es gibt auch Bereiche, in denen laut Kefalas das Prinzip der „Reziprozität“ nicht vollends gelte. So würden die Kosten für die Ausbildung der türkischen Studenten in einer Schule in Griechenland von der griechischen Regierung bezahlt werden. Anders herum sei dies nicht der Fall.  Gleiches gelte auch für die Instandhaltung der Schulgebäude. Eine Renovierung der türkischen Schulen in Griechenland werde von der griechischen Regierung übernommen, während griechische Schulen in der Türkei die Kosten selbst zu tragen hätten.

„Die griechische Gemeinschaft der Türkei ist vom Aussterben bedroht. Die Schulen müssen einen anderen Status erhalten“, fordert er auf. „Wenn unsere Schulen offen für alle Bürger der Türkei sind – unabhängig davon, ob sie Juden, Muslime oder Christen sind – wie es vor dem Vertrag von Lausanne praktiziert wurde, dann würden die Schulen auch überleben“, so Kefalas in Richtung des türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Nur noch 250 griechische SchülerInnen in Istanbul

Bereits vor zwei Jahren habe er sich an das Ministerium für Bildung gewandt, und eine Gleichstellung mit anderen Schulen in der Türkei gefordert, doch eine Antwort habe er bis heute nicht erhalten. „Wir wollen nicht länger als eine Minderheiten behandelt werden. Es gibt ein paar Amerikaner, Österreicher und Deutsche in der Türkei, aber ihre Schulen werden nicht als ‚Minderheiten‘-Schulen betrachtet.“

Insgesamt gibt es 250 Schülerinnen und Schüler griechischer Abstammung, die derzeit Schulen in Istanbul besuchen. Einst gab es in der Millionenmetropole mehr als 80 griechische Schulen. Heute sind es gerade einmal eine handvoll.

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