Saudi-Arabien: Autofahrerin wird ausgepeitscht

Die zarte Euphorie auf Grund der Ankündigung von König Abdullah, Frauen in Saudi-Arabien das Wählen sowie die Kandidatur bei Kommunalwahlen zu gestatten, währte nur kurz. Jetzt wurde erstmals eine Frau wegen Autofahrens verurteilt. Ihre Strafe: Zehn Peitschenhiebe.

Am vergangenen Dienstag wurde Schaima Ghassaniya für schuldig befunden, ohne Erlaubnis durch die Regierung am Steuer eines Fahrzeugs gesessen zu haben. Sie soll binnen eines Monats zehn Peitschenhiebe erhalten.

Bisher gab es nur Verwarnungen oder Festnahmen

Das Gericht stützte sich bei seinem Urteil, das erstmals in der Geschichte des Königreichs ausgesprochen wurde, jedoch nicht auf ein offizielles Gesetz, sondern allein auf Edikte konservativer Religionsgelehrter. Bisher konnten Frauen, die beim Autofahren erwischt wurden, einer solch drakonischen Strafe entkommen. Zumeist bleibt es bei einem Stopp durch die Polizei bei einer Befragung. Zudem müssen die Frauen ein Dokument unterschreiben, in dem sie erklären, sich selbst nicht mehr hinters Steuer zu setzen. In einigen Fällen werden sie festgenommen und auch für mehrere Tage ins Gefängnis gesteckt.

So ergangen ist es im vergangenen Juni auch Manal al-Sherif, die nach ihrem Verstoß gegen das Autofahrverbot in Khobar verhaftet wurde. Die 32-Jährige hatte auf Facebook die Initiative “Teach me how to drive so I can protect myself” gegen diese Regelung ins Leben gerufen. Nach mehreren Tagen in Haft kam sie wieder frei. Sie erlernte erst im Alter von 30 Jahren das Autofahren, um Belästigungen zu entgehen.

Urteil eine Vergeltungsaktion des religiösen Establishments

Auf das Urteil reagierten Menschenrechtsaktivisten empört. „Unser König hat das nicht verdient“, erklärte Sohila Sein el Abidin, ein bekanntes Mitglied der Nationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Wie viele andere ist sie überzeugt, dass diese Verurteilung als eine Vergeltungsaktion des religiösen Establishments im Land gegen die jüngsten Ankündigungen anzusehen sei. In ihren Augen ist die Strafe schockierend, „aber wir haben eine solche Reaktion erwartet“. Zudem, darauf weist Sohila Sein el Abidin weiter hin, sei die Höchststrafe für einen Verstoß gegen die Verkehrsregeln in normalen Fällen lediglich eine Geldstrafe, aber keine Peitschenhiebe. Sie betont: „Sogar die Ehefrauen des Propheten ritten auf Kamelen und Pferden, weil sie das einzige Transportmittel waren.“

Mehr hier:

Saudi-Arabien: König Abdullah gewährt Frauen das Wahlrecht

Saudische Autofahrerin Manal al-Sherif ist frei

Solidarisierung auf Facebook mit inhaftierter saudischer Autofahrerin

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.