„Säuberung“ in Syrien: Assad lässt 3000 Zivilisten verhaften

Wie ein syrischer Aktivist an diesem Montag berichtet, gehen Regierungstruppen in Rastan derzeit von Haus zu Haus, um Zivilisten zu verhaften. In den vergangenen drei Tagen sollen es bereits mehr als 3000 gewesen sein. Die Stadt wurde erst kürzlich in einer der härtesten Auseinandersetzungen seit Beginn der Unruhen vor sechs Monaten zurückerobert.

Nach Einschätzung von  Khaled Abboud, Mitglied des scheidenden syrischen Parlaments, sei es auch dem eigens von der Opposition eingerichteten Nationalrat nicht möglich Präsident Baschar al-Assad zu stürzen. Diejenigen, die seine Gründung noch am Vortag in Istanbul ausgerufen hätten, würden sich „täuschen“.

Syrischer Nationalrat in Istanbul gegründet

Die Aufständischen hatten am vergangenen Wochenende in Istanbul einen Syrischen Nationalrat nach libyschem Vorbild ins Leben gerufen. Ihm gehören aktuell 190 Personen an. Die Mehrheit von ihnen lebt derzeit in Syrien. Die Namen der Mitglieder bleiben jedoch aus Sicherheitsgründen vorerst geheim. Ziel des Gremiums, das erstmals alle Oppositionsgruppen vereinen soll, ist der Aufbau eines demokratischen und pluralistischen Staates. Eine internationale Intervention oder Militäraktion wird jedoch kategorisch abgelehnt. In Abbouds Augen ist das Ganze jedoch ein fruchtloses Unterfangen: „Es ist ein Traum, der niemals Wirklichkeit werden wird.“

Denn wie sich zeigt, scheint Assad mit Diplomatie nicht mehr beizukommen. Die schweren Unruhen im Land setzen sich fort. Wie ein Aktivist gegenüber einer Nachrichtenagentur mitteilte, wurde am Samstag die Stadt Rastan in der Provinz Homs, gut 180 Kilometer nördlich von Damaskus, wieder von Regierungstruppen eingenommen. Seitdem seien mehr als 3000 Zivilisten festgenommen worden. Die Inhaftierten werden in einer Zementfabrik, in Schulen und Sportvereinen festgehalten. „Zehn meiner Verwandten wurden verhaftet“, so der Aktivist, der nur bei seinem Vornamen Hassan genannt werden möchte und sich von einem Versteck in Rastan aus meldet.

2000 Deserteure hatten sich in Rastan verschanzt

„Die Situation in der Stadt ist miserabel“, berichtet er weiter. Seit vergangenen Dienstag stünde die 70,000 Einwohner große Stadt unter Bombenbeschuss. Die Zusammenstöße zwischen Regimegegnern, zu denen auch gut 2000 Deserteure zählten, die sich dort verschanzt hatten, und den Truppen gehörten zu den schwersten seit Ausbruch der Unruhen im März dieses Jahres. Die Medien sprechen von einem Massaker. 250 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge in Rastan eingerollt. Mindestens 15 Deserteure sind in den Kämpfen ums Leben gekommen. Mehr als 80 wurden verwundet.  Insgesamt sollen 130 Zivilisten gestorben sein. „Die Soldaten durchsuchen jetzt die Stadt nach bewaffneten Banden, um diese festzunehmen“, hieß es nach dem Ende der Kämpfe im staatlichen Fernsehen.

Derweil hat sich Damaskus offensichtlich dazu entschlossen, den jetzt in der Türkei ins Leben gerufenen Nationalrat der Opposition in Gänze zu ignorieren. Die staatlichen Medien meldeten seine Gründung mit keiner Silbe.

Die Menschen in Rastan waren gegen das Regime Assads auf die Straße gegangen:

http://www.youtube.com/watch?v=B7ozVDc8Xfs

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