Freispruch für Amanda Knox: Doch wer ist der Mörder?

Am vergangenen Montagabend sprach ein Berufungsgericht in Perugia, Italien, die 2009 wegen Mordes verurteilte Amanda Knox frei. Während sich die 24-Jährige auf dem Weg in die Heimat befindet, können die Angehörigen keine Ruhe finden. Sie wollen Einspruch einlegen.

Ihrem bewegenden Schlusswort folgten am späten Montagabend Tränen der Erleichterung. Die US-amerikanische Studentin Amanda Knox wurde nach vier Jahren im Gefängnis von einem Berufungsgericht in Perugia freigesprochen und durfte umgehend das Gefängnis verlassen.

Familie von Meredith Kercher steht ganz am Anfang

Für ihre Schwester gehe ein Albtraum zu Ende, beschreibt Deanna Knox die Emotionen des Abends. Gemeinsam mit der gesamten Familie war sie zum Prozess nach Italien gereist und fiel diesen nun erleichtert in die Arme. Auf der Seite der getöteten Meredith Kercher war das Bild ein völlig anderes. Auch hier flossen die Tränen – allerdings des Entsetzens. „Wir begreifen nicht, wie die Entscheidung des ersten Prozesses so radikal umgestoßen werden konnte“, erklärt die Schwester des Opfers, Stephanie Kercher, gegenüber den Medien. Die Familie ist irritiert, kann nicht fassen, was da eben im Gerichtssaal entschieden wurde. Kerchers Bruder Lyle versucht in einer Pressekonferenz am Dienstag zusammen zu fassen: „Wenn die zwei gestern Freigelassenen nicht die Schuldigen waren, dann müssen wir uns natürlich weiter die Frage nach dem oder den anderen Schuldigen stellen. Wir stehen wieder ganz am Anfang.“

Gegen die Freilassung von Amanda und ihren damaligen Freund Raffaele Sollecito wollen sie jetzt Einspruch einlegen. Viel zu viele Fragen werfe der Fall nach wie vor auf. „Wir wissen, dass sich Rudy Guede nicht allein am Tatort befand“, so Lyle weiter. „Wir wollen nicht, dass Unschuldige im Gefängnis sitzen“, betonte Merediths Schwester Stephanie. Doch man wolle auch, dass die Wahrheit endlich ans Licht komme. „Das Traurigste für uns ist, zu wissen, dass Merediths Mörder noch frei ist.“

Staatsanwälte wollen vor das oberste Gericht in Rom

Auch die beiden Staatsanwälte Giuliano Mignini und Manuela Comodi sind mit dem Urteil vom Montag nicht einverstanden. Sie wollen nun die letzte Instanz das oberste Gericht in Rom bemühen. Beide verweisen auf den hohen Mediendruck, der auch diesen Prozess begleitet hatte und betonen: „Das Urteil von Montagabend ist falsch und widersprüchlich. Also muss das Kassationsgericht entscheiden, wer Recht hat.“

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