Türkische Zentralbank kämpft verzweifelt gegen Lira-Verfall

Die Türkei gerät dramatisch schnell in den Strudel der internationalen Finanzkrise. Die Zentralbank versucht, durch Dollar-Verkäufe die Währung zu stabilisieren. Mittlerweile gibt es viele Investoren, die sich auch aus türkischen Werten zurückziehen.

Die türkische Zentralbank hat am Mittwoch noch einmal ihre Bemühungen verstärkt, um einem immer schneller werdenden Abrutschen der Lira entgegen zu wirken. Die Währung hatte in dieser Woche bereits ein Rekordtief erreicht, nachdem sich die Investoren vermehrt aus den Schwellenländern zurückziehen.

Im Zuge einer Ankündigung der Zentralbank, 1,35 Milliarden US-Dollar zu veräußern – weitaus mehr als das im Durchschnitt bisher der Fall war – erholte sich die Lira ein Stück weit. In der Folge stieg sie auf 1.8725 gegenüber dem Dollar. Am Mittwochmorgen erreichte sie einen Wert von 1.8773.

Kurz vor Eröffnung des Handels an diesem Mittwoch lockerte die Zentralbank zudem die Regelungen für Wechselkursreserven, um Liquidität in den Markt zu bringen und die Lira weiter zu stützen. Bereits im vergangenen August begann man mit dem Verkauf von Dollars, um die heimische Währung zu kräftigen. Einen ersten massiven Einschnitt gab es dann am 20. September, als erstmals 350 Millionen US-Dollar auf einmal veräußert wurden. Die zweitgrößte Summe, die hier jemals im Spiel war.

Ökonomen warnen vor kurzfristiger Dollar-Verkauf-Strategie

Der Schritt von diesem Mittwoch überraschte die Märkte dann aber doch. Denn obgleich es der türkischen Zentralbank gelungen war, die Landeswährung zu stabilisieren, glauben Ökonomen, dass die bisherigen Maßnahmen noch nicht ausreichen. „Es ist schwierig, die Abwertung der Lira zu stoppen“, analysiert Sengul Dagdeviren, Chef-Ökonom bei ING in Istanbul, „doch die bisherigen Schritte der Zentralbank waren positiv und angemessen.“ Andere Experten warnten jedoch davor, dass dieser Weg des massiven Dollar-Verkaufs nicht lange gegangen werden könne. Dies sei keine nachhaltige Strategie, da das Land schlicht nicht genügend Währungsreserven hätte, um in diesem Tempo weiter Dollars zu veräußern, kritisiert Neil Shearing von Capital Economics in London.

Nach den jüngsten Daten lagen die türkischen Währungsreserven in der Woche bis zum 23. September bei 84.75 Milliarden Dollar. Seit der Äußerung von Governor Erdem Basci am vergangenen Freitag, dass ein weiterer Verfall der Lira absolut unerwünscht sei, wurden die Maßnahmen noch einmal verstärkt. Unterdessen leidet die Türkei unter einem Rückzug der Investoren aus den Schwellenländern. Diese werden derzeit nicht mehr als immun gegenüber der weltweiten Finanzkrise angesehen. Doch genau das ist ein großes Problem: Denn das Wachstum des Landes basiert hauptsächlich auf kurzfristigen Portfolio-Investments. Die zügellose Nachfrage der Verbraucher wird über Bankkredite und Kreditkartenschulden finanziert. Doch genau sie trug zum beachtlichen Wachstum der Türkei in diesem Jahr bei.

Türkische Zentralbank darf Investoren nicht vergraulen

In jüngerer Zeit trübten sich die wirtschaftlichen Aussichten jedoch ein. Der Internationale Währungsfond korrigierte seine Wachstumsprognose für die Türkei auf knapp 2,2 Prozent im nächsten Jahr nach unten. Die Zentralbank steckt nun in einem echten Dilemma. Die trüben Prognosen und die sich beschleunigende Inflation machen eigentlich Zinssenkungen erforderlich. Doch auf der anderen Seite machen niedrige Zinssätze das Land für ausländische Investoren noch unattraktiver.

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