Armenischer Star Aznavour: Wenn es kein Völkermord war, was dann?

Charles Arnavouz hat Angst um sein Heimatland Armenien. Der berühmte französisch-armenische Sänger meint, man dürfe sich nicht an dem Wort "Völkermord" aufhalten und müsse sich stattdessen mit wichtigeren Belangen des Landes befassen.

Aznavour erklärte in einem Interview mit der französische Zeitschrift „Nouvelles d’Arménıe Magazıne“, wie er die Lage Armeniens einschätzt. Während die Türkei durch die Veränderungen in der arabischen Welt an Stärke gewinne, leide Armenien. Das Land befinde sich in großer Gefahr: „Mit jedem weiteren Tag verlassen mehr Menschen Armenien. Bald wird das Land nur noch eine leere Schale sein.“ Armenien stehe davor, ein zweites Mal zu sterben und die Welt befasse sich nur mit dem Wort „Völkermord“.

Arnavouz:  Die Türkei und Armenien müssen zu einer Übereinkunft kommen

Für Aznavour ist nicht die Bezeichnung, sondern die Akzeptanz der Vorkommnisse im Ersten Weltkrieg von Bedeutung: „Ich wende mich damit an die Türken: Wenn das kein Völkermord ist, wie nennt man dann die Vernichtung eines Volkes? Wie habt ihr das bis jetzt immer genannt? Wenn ihr das Wort ‚Völkermord‘ schon nicht benutzen wollt, dann gesteht wenigstens ein, dass es ein Massaker war! Wenn wir diesen Schritt schaffen, haben wir schon viel erreicht.“ Die Bezeichnung „Völkermord“ sei erst in den 50er Jahren entstanden. Davor habe man immer nur von einem Massaker gesprochen. Dabei betonte er, dass er nichts gegen die Türken an sich habe. „Wir können ihre Haltung und ihre Politik ablehnen, aber für das Volk gilt das nicht“, so Aznavour. Seiner Ansicht nach sollten die Türken und Armenier gemeinsam zu einer Übereinkunft kommen.

„Bergkarabach sollte ein eigenständiger Staat sein“

Ein großes Problem Armeniens sei die umstrittene Region Bergkarabach. Aserbaidschan und Armenien beanspruchen das Gebiet jeweils für sich. Aznavour ist der Meinung, Bergkarabach müsse als eigenständiger Staat akzeptiert werden. Zurzeit leben in dem Gebiet mehrheitlich Armenier. Ein weiterer Punkt sei die Mafia im Land. Armenien tue nichts dafür, ihre Bevölkerung vor den Machenschaften der Mafia zu schützen. Bald wird es im Land nur noch weniger als zwei Millionen Armenier geben, so Aznavour. „Wir werden in der Hand der Mafia sein“, erklärt er. An die Armenier appeliert er: „Ich will, dass jeder Armenier in sich geht und sich fragt: Was ist mein Beitrag für das Land meiner Vorväter?“

Bereits vor einigen Wochen hatte Charles Aznavour in dem TV-Programm „Vivement dimanche“ für Aufsehen gesorgt, weil er in Bezug auf den Völkermord an den Armeniern geäußert hatte, diese Bezeichnung störe mittlerweile sogar ihn. Sollte das das einzige Problem der Türkei sein, könne man ein anderes Wort finden, um endlich die Gespräche mit der türkischen Regierung zu beginnen, meinte er. Charles Aznavour ist ein international erfolgreicher armenisch-französicher Chansonnier, Komponist und Schauspieler. Er ist armenischer Botschafter in der Schweiz.

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