Familienglück trotz AIDS: Türkisches Projekt ermutigt Paare

Müssen HIV-Positive auf ein Familienleben verzichten? Sollten sie ihr eigenes Glück opfern, um kein krankes Kind zur Welt zu bringen? Selim und seine Frau sind das Risiko eingegangen und haben es nie bereut.

Der HIV-positive Selim erfuhr von seiner Krankheit erst nach seiner Hochzeit. Eine Zeit lang habe er den glücklichsten Ehemann der Welt gespielt, obwohl er wusste, wie sehr die Krankheit sein Leben und das seiner Frau verändern konnte.

Selim: „Wenn andere das schaffen, kann ich das auch“

Das gemeinnützige Projekt „Positive-Life-Association“ (PYD) half ihm mit der Diagnose umzugehen. Er lebte nach dem Motto: „Wenn andere es schaffen, kann ich das auch“, erklärte Selim gegenüber der „Hürriyet Daily News“. Er nehme weiterhin seine Medikamente und Ärzte hätten ihm bestätigt, dass sein Immunsystem sogar besser als das einer normalen Person sei. Seine Frau und er ließen sich den Lebensmut nicht nehmen. Sie entschieden sich, eine Familie zu gründen. Von einem Experten habe das Paar erfahren, das Risiko ihr Baby mit dem Virus anzustecken, liege bei weniger als 0,5 Prozent.

Noch wichtiger war, was sie im danach erfuhren. Der Arzt klärte sie auf, dass es eine Möglichkeit gebe, lebende Spermazellen von dem Virus zu befreien. Diese könnten dann zur künstlichen Befruchtung verwendet werden. Sie seien sich bewusst gewesen, dass trotzdem eine Gefahr der Übertragung bestand. Dieses gingen sie ein. Heute sind Selim und seine Frau Eltern eines gesunden Kindes.

HIV-positive Schwangere müssen in ärztlicher Behandlung sein

Sezai Şahmay, Professor am Istanbuler Universitäts-Klinikum Cerrahpasa, betont, die Eltern müssten sich der Verantwortung bewusst sein. „Auch wenn das Baby gesund zur Welt kommt, kann es sein, dass es ohne Eltern aufwachsen muss“, so Şahmay. Professor Deniz Gökengin erklärt, ein Schutz vor einer Übertragung der Krankheit sei sowohl während der Schwangerschaft, als auch bei der Geburt möglich. Es sei jedoch wichtig, während Schwangerschaft unter ärztlicher Behandlung zu stehen, denn Mutter und Kind müssten mit Anti-HIV-Medikamenten behandelt werden, betont Gökengin.

Allein im Jahr 2011 haben 144 HIV-positive Mütter in der Türkei gesunde Babys zur Welt gebracht. In Israel waren es zwischen 2002 und 2008 insgesamt 155 Frauen, die das Risiko eingegangen sind und nun gesunde Kinder haben.

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