Warten auf Erdogan: Tod der Mutter verzögert Besuch syrischer Flüchtlinge

Der Tod von Tenzile Erdogan am vergangenen Freitag erschütterte die Menschen weit über die Türkei hinaus. Premierminister Recep Tayyip Erdogan sagte alle Termine ab. Darunter auch den Besuch eines Camps mit syrischen Flüchtlingen. Sie warten jetzt auf einen neuen Termin.

Angesichts anhaltender Gewalt in ihrem Heimatland Syrien haben im Laufe der vergangenen Monate mehr als 10.000 Menschen Zuflucht in der benachbarten Türkei gefunden. In Flüchtlingslagern harren immer noch viele von ihnen aus. Sie alle blicken in eine ungewisse Zukunft. Eigentlich wollte Premier Recep Tayyip Erdogan am vergangenen Wochenende zu ihnen kommen. Der plötzliche Tod seiner Mutter, die am Freitag mit 83 Jahren in einem Krankenhaus in Istanbul verstarb, machte alle Pläne zunichte.

Vielleicht hätte dem Premier der Besuch sogar gut getan. Denn die Menschen in den Camps sind voller Dankbarkeit. „Wir haben hier nichts als Hilfe und Mitgefühl erfahren“, berichtet die 29-jährige Maria gegenüber der türkischen Zeitung „Hürriyet Daily News“. „Wir alle schätzen seine Anstrengungen und die vielen Dinge, die die türkische Regierung für uns getan hat sehr.“

Flüchtlinge wollen Erdogan persönlich ihren Dank aussprechen

Die junge Frau, die in einem Camp in Altinözü in der Provinz Hatay untergebracht ist, hat nicht viel. Große Geschenke machen kann sie nicht. Dennoch hat sie eine Kleinigkeit für den Staatsmann vorbereitet. Ein selbstgemaltes Bild mit seinem Portrait soll ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Sie sei, so erzählt sie weiter, positiv überrascht gewesen, wie sie nach den erlebten Unruhen in Syrien nun gemeinsam mit ihrer Familie in der Türkei empfangen worden sei. „Als Dank möchte ich Erdogan dieses Bildnis von sich bei seinem Besuch überreichen.“

Maria und ihre Familie flüchteten im vergangenen Juni aus der nordsyrischen Stadt Jisr al-Shughour, nachdem das Militär die Aufstände dort blutig niedergeschlagen und zahlreiche Zivilisten getötet hat. „In der Nacht haben wir andauernd Schüsse gehört. In unserer Nachbarschaft haben sie 13 Leute umgebracht. Danach haben wir uns entschlossen zu gehen.“ Auch die 40-jährige Emel floh mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. Die älteste Tochter, so erzählt sie der Zeitung, habe eigentlich in Syrien bleiben wollen, weil sie dort die Aufnahmeprüfung für eine Universität bestanden hatte. „Das war allerdings viel zu gefährlich. Dort zurücklassen konnte ich sie nicht. Deshalb sind wir alle geflohen.“

Angst um die Kinder zwingt Syrer zur Flucht

Die syrischen Flüchtlinge bezeichnen die Behauptungen, die in den syrischen Medien über Gewalt und Vergewaltigungen in türkischen Camps kursieren, als „reine Propaganda“. „Das sind alles Lügen. Die türkischen Behörden sind wirklich mitfühlend. Uns ist hier nur Gutes widerfahren“, betont der 43-jährige Muhammed. Als Lehrer habe er in den vergangenen 25 Jahren an zahlreichen Schulen in Syrien unterrichtet. Nach den brutalen Niederschlagungen in Jisr al-Shughour habe er sich jedoch gezwungen gesehen mit seinen sieben Kindern zu flüchten. Auch die 50-jährige Iman verließ mit seinen fünf Töchtern das Land. Zunächst keimte dieser Gedanke, die Heimat zu verlassen, nur widerwillig in ihr auf. Doch mit wachsender Angst um die Kinder reifte die Entscheidung schließlich immer mehr.  „Das syrische Regime hat versucht, uns als bewaffnete terroristische Gruppen zu hinzustellen. Das ist eine riesige Lüge.“

Derzeit halten sich 7,586 Menschen in sechs türkischen Flüchtlingscamps auf.

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