Arianna Huffington: Internetzensur wird scheitern

Die Bemühungen von Regierungen, unter anderem auch der türkischen, Internetmedien und Webseiten zu zensieren, sind nach Ansicht von Arianna Huffington, Mitbegründerin und Chefredakteurin der Online-Zeitung "The Huffington Post", hoffnungslos.

„Wir haben mittlerweile gesehen, dass viele Bestrebungen von Staatsregierungen, unter anderem auch der türkischen, Internetseiten wie YouTube oder blogspot.com zu beschränken, gänzlich hoffnungslos blieben“, so die politische Blog-Autorin am vergangenen Mittwoch auf der „Digital Age Conference 2011“ in Istanbul.

Als etwa blogspot.com in der Türkei geschlossen worden wäre, hätten die User andere Wege gefunden, um die Seite doch wieder zu erreichen. Sie stellt heraus: „Es gibt nicht nur einen Weg, um miteinander zu kommunizieren.“

Millionen Twitterer sind nicht so leicht zu Fall zu bringen

In den letzten Jahren hätten die Regierungen durchaus verstanden, dass Soziale Medien eine größere Bedrohung darstellen als etwa ein einzelner Journalist. Das erkläre dann auch ihre Anstrengungen solche Online-Medien zu zensieren. „Einen einzelnen Journalisten zu Fall zu bringen, das gelingt den Regierungen sehr leicht. Das im Falle von Millionen von Twitterern zu erreichen ist schon um einiges schwieriger“, erklärt Huffington gegenüber der türkischen Zeitung „Hürriyet Daily News“.

Was die Regierungen, Geschäftsleute und Marketingfachleute begreifen müssen ist, dass wir gerade in einem digitalen Zeitalter leben und dass diese neuen Medien sehr mutig sind. Dieser Umstand könne nicht länger ignoriert werden.

Hinsichtlich eines Vergleichs traditioneller und digitaler Medien meint die Expertin, dass erstere an einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom leiden würden, während die neuen Medien hingegen eine Art Zwangsstörung hätten. Auch würde hier eine gewisse Härte vorherrschen.

Arianna Huffington fordert dazu auf wieder zu erklären

Ihre Hauptkritik lag mit Blick auf die neuen Medien denn auch darin, dass hier ein offensichtlicher Mangel an erzählten Geschichten herrsche. „Wir können hier jegliche Art von Daten, Figuren und Meinungen finden. Doch das Geschichten erzählen, das wesentliche Element, um Daten und Fakten zu erläutern, fehlt auf großer Breite.“ Das, so ist sie darüber hinaus überzeugt, gehöre in Zukunft zu den größten Aufgaben von Journalisten.

Auch zur Rolle die Sozialen Medien im Rahmen des „Arabischen Frühlings“ hat Huffington eine Antwort. Zwar hätte es Revolutionen in der Vergangenheit schon immer gegeben. Dank dieser Sozialen Netzwerke würden sie jetzt jedoch viel schneller auftreten. „Technologie beschleunigt Wandel“, so ihre Überzeugung. Nichtsdestotrotz sei ein Zusammenspiel von online und offline nach wie vor erforderlich, um den Wandel dann auch umzusetzen.

Nach Protest: Internetfilter kommen modifiziert

Nachdem im vergangenen Sommer Tausende gegen die geplanten Internetfilter in der Türkei protestierten, hat die türkische Regelungsagentur angekündigt, dass Ende November nun modifizierte Zugangsfilter in Betrieb genommen werden sollen. Die Bürger sollen so vor Pornografie und „separatistischer Propaganda“ geschützt werden. Der wichtigste Unterschied zu den Plänen vom letzten Frühjahr ist jedoch der, dass es jetzt ein so genanntes „Grundpaket“ nun nicht mehr geben soll. Stattdessen bleibt der bisherige Internetzugang für diejenigen, die das wünschen, unverändert. Alternativ werden allerdings ein „Kinder-“ sowie ein „Familienpaket“ angeboten. Diese können auf Wunsch beim eigenen Provider bestellt werden.

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