Türkischer Professor lehrt Geschichte über Twitter!

Soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook oder YouTube zählen Millionen Nutzer weltweit. Mit den Jahren haben sie die Art der Kommunikation geradezu revolutioniert. Die meisten nutzen sie, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben oder die neuesten Neuigkeiten auszutauschen. Ein türkischer Professor in den USA hat nun den edukativen Nutzen dieser Netzwerke entdeckt.

Mustafa Gökçek, Professor für Geschichte an der Niagara University in New York, hatte die Idee, Geschichte mittels Tweets und dem Teilen interessanter Internetseiten und Artikel zu lehren. Hierzu erstellte er eine chronologische Liste mit 90 wichtigen historischen Ereignissen in den USA, die sich zwischen 1945 und 2005 ereigneten und verbreitete diese darauf hin via Twitter. Gestartet hat er seine Aktion am 13. September.

Gegenüber der türkischen Zeitung „Zaman“ hat der Wissenschaftler nun erläutert, wie er auf diese ungewöhnliche Methode gekommen ist. Geschichte, so Gökçek, sei für viele eine ziemlich langweilige Angelegenheit. Schließlich ist all das, was man bespreche, meist schon lange passiert. Genau aus diesem Grund habe er sich ein Twitter-Programm ausgedacht, um seinen Studenten auf diese Weise alle nötigen Informationen möglichst klar und vor allen Dingen direkter als sonst zukommen zu lassen.

Jeden Tag relevante Tweets zum Vorlesungsstoff

Der türkische Geschichtsprofessor ist in den USA jedoch nicht allein mit dieser Lehrmethode. Geholfen hat ihm Dr. Murat Demirbaş, IT-Wissenschaftler an der Universität in Buffalo. Er entwickelte das notwendige Computerprogramm, das relevante Tweets zum aktuellen Vorlesungsstoff verschickt. Da die Tweets so gestaltet waren, dass sie in einem bestimmten vorgegebenen Intervall versaendet wurden, ermöglichte der Professor seinen Studenten 60 Jahre Geschichte mit nur einem Tweet täglich in gerade einmal 90 Tagen abzudecken. Doch nicht nur die Geschwindigkeit war erstaunlich. Durch die Art der Vermittlung wurde den Studenten Geschichte als etwas Zusammenhängendes näher gebracht, anstatt, wie sonst üblich, die Ereignisse isoliert zu betrachten. Jetzt wurde ihnen der historische Kontext viel besser deutlich.

„Eines der Ziele dieses Projekts war es, dass die Studenten die zeitlichen Zusammenhänge von historischen Ereignissen besser begreifen. Sie sollten nicht nur das Ereignis als solches, sondern auch den dazugehörigen Hintergrund verstehen“, so Gökçek.

Großer Erfolg: Twitter-Programm soll erweitert werden

Mittlerweile ist das Programm derart erfolgreich, dass Demirbaş bereits an eine Weiterentwicklung denkt. Künftig sollen die Tweets auch Links zu Primärquellen versenden, um so noch tiefer einsteigen zu können. Durch die Bereitstellung vieler unterschiedlicher Quellen soll es den Studenten dann während der Vorlesung möglich sein, noch intensiver über den Stoff diskutieren zu können. Nach der Vorstellung des Professor ist das Lernen also nicht mehr nur auf den Unterrichtsraum beschränkt. Seine Vorlesung wird zu einem permanenten Kurs im Netz, der jederzeit abrufbar ist.

„Geschichte ist nichts Langweiliges oder gar statisches. Sie ist Teil unseres Lebens. Dieses Programm katapultiert Geschichte raus aus den Klassenzimmern hinein in die Hände der Studenten“, soMustafa Gökçek. Und seine Idee macht Schule. Schon denken er und seine Kollegen darüber nach, das Modell auch auf andere Fächer auszuweiten.

Twitterwall lädt zur Diskussion während der Vorlesung

Bisher ist er jedoch der erste und einzige, der über Twitter lehrt. Doch vielleicht wird genau diese Methode zu einem neuen Trend. Denn Eingang hat Twitter in die Hörsäle bereits gefunden. So schalten einige Dozenten während der Vorlesung eine eigene Twitterwall. Auf ihr können die Studenten parallel zur Vorlesung debattieren.

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