Überraschende Intervention: Türkische Zentralbank stemmt sich weiter gegen Talfahrt der Lira

Erstmals seit mehr als fünf Jahren hat die Türkische Zentralbank an diesem Dienstag wieder direkt in den Devisenmarkt eingegriffen. Es ist der jüngste Versuch die angeschlagene Lira in einer schnell wachsenden Wirtschaft zu stützen.

Wie Händler berichteten, begann die Türkische Zentralbank um kurz nach 8.00 Uhr am Dienstagmorgen damit Lira anzukaufen. Dabei lag der Kurs einen Prozent höher als den Dollar und gut 1,2 Prozent über dem Euro. Gegen 8.45 Uhr speckte die Währung dann wieder ein wenig von seinen Zugewinnen ab und wurde nur noch 0.66% Prozent höher als der US-Dollar bzw.  rund einen Prozent höher als der Euro gehandelt.

Keine Angaben über Höhe der Intervention

Die Aktion bestätigte die Türkische Zentralbank später in einer Email-Erklärung. Man habe auf Grund „spekulativer Aktivitäten“ und „ungesunder Preisbewegungen“ eingegriffen. Die Bank stellte zudem in Aussicht, dass es bereits am Mittwoch größere Dollar-Verkäufe geben werde. Ein weiterer Versuch, die Lira zu stützen, nachdem man bereits am Dienstag die Rekordsumme von 1.35 Milliarden US-Dollar angeboten hatte. In der Erklärung wurden keine Angaben über die Höhe der Intervention gemacht. Ein Sprecher der Bank bekräftige zudem, dass man sich dazu auch nicht äußern werde.

Volkswirte werten den Schritt jedoch als klares Signal, dass die Bank sich weiter gegen eine Abschwächung der Lira stemmen werde, aber gleichzeitig davor warne, dass die Märkte weiterhin Druck auf diese ausüben werden. „Die Märkte werden damit fortfahren sie zu testen und die Bank muss noch eine Weile auf dem Markt bleiben. Das wirft natürlich die Frage auf, wie lange sie das kann“, so Simon Quijano-Evan, Zinsexperte und Chefökonom bei ING in London.

Lira geriet unter starken Verkaufsdruck

Die Devisenreserven der Türkei sinken kontinuierlich, seit die Zentralbank damit angefangen hat ihre Dollars zu verkaufen, um die eigene Währung zu stützten. Die Lira geriet in den letzten Wochen, wie einige andere Währungen der Schwellenländer, unter starken Verkaufsdruck. Die Sorge um die weltweite wirtschaftliche Lage wuchs. Die Schulden in der Euro-Zone eskalierten. Die Investoren flüchteten in kolossalem Ausmaß.

In den letzten Jahren hat die Türkische Zentralbank ein direktes Eingreifen in den Devisenmarkt vermieden. Stattdessen veräußerte man täglich Dollars, um der weiteren Abwertung der Lira entgegen zu treten. Doch der kontinuierliche Verkauf  führte nun zu der ersten Intervention seit Mai 2006, als man 848 Millionen US-Dollar veräußerte. Seit November 2010 hat die Lira gegenüber dem Dollar gut 30 Prozent verloren. Damals begann die Bank mit ihrer unorthodoxen Politik den Leitzins zu senken, um die Benchmark-Interessen abzuschwächen und spekulative Geldflüsse abzuschrecken. Gleichzeitig wurden die Mindesreservesätze erhöht, um einem steigenden Kreditboom entgegen zu wirken.

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