Schwule in der Türkei unerwünscht?

Ein türkisches Sprichwort besagt: "Jeder Türke wird als Soldat geboren". Nicht so türkische Homosexuelle. Sie werden als "sexuelle Abweichler" von der Wehrpflicht ausgeschlossen, da man sie für untauglich befindet, Waffen in die Hand zu nehmen.

Eigentlich könnten sich die betroffenen Männer glücklich schätzen, ausgemustert worden zu sein. Gerade in letzter Zeit kamen vermehrt Soldaten bei Angriffen der PKK ums Leben. 19 waren es allein am 24. Oktober. Der Haken an der ganzen Sache: Sie müssen ihre sexuelle Orientierung „beweisen“.

Homosexuelle werden aufringlichen Fragen ausgesetzt

Früher mussten dazu auch Fotos eingereicht werden, die den Betroffenen beim Sex mit einem anderen Mann zeigten. Skeptische Armeeärzte unterzogen die jungen Männer zudem demütigenden medizinischen Untersuchungen. Sie „drangen und stießen in ihr After, um herauszufinden, ob diese schon einmal penetriert wurden oder eben nicht“, so Firat Soyle, Anwalt für Lambda, eine in Istanbul ansässige Schwulenvereinigung. Obwohl diese Praktiken nachlassen, müssen Homosexuelle aufdringliche Fragen über ihre Kindheit, wie etwa „hast du mit Puppen gespielt“, über sich ergehen lassen, führt Soyle weiter aus und fügt hinzu, dass es in Rekrutierungszentren in Anatolien immer noch üblich sei, dass „Beweise“ vorgelegt werden müssten.

Fatma Şahin trifft homosexuelle Aktivisten

Der Islam verachtet Homosexualität als sündhafte doch heilbare Krankheit. „Lese schnell den Koran und heirate!“, rät eine islamische Internetseite. Gewalt gegen Homosexuelle und Transvestiten ist weit verbreitet. Doch der konservative Einfluss in der türkischen Armee schwindet. Mittlerweile gibt es in der Türkei, übrigens dem einzigen muslimischen Land, einen eigenen Tag für Homosexuelle. Aktivisten kämpfen engagiert für die Rechte gleichgeschlechtlicher Liebe, die möglichst in die neuen Verfassung einfließen sollen. Die türkische Familien- und Sozialministerin Fatma Şahin hat sich bereits mit homosexuellen Aktivisten getroffen, obschon die AKP bekennende homosexuelle Mitglieder nach wie vor in ihrer Partei ablehnt.

„Zenne Dancer“ stößt Debatte in der Türkei neu an

Homosexuelle in der Armee könnten ein Tabu bleiben, doch ein neuer Film mit dem Titel „Zenne Dancer“ hat die Debatte darüber nun weiter verschärft. Der Streifen beruht auf der Geschichte von Ahmet Yildiz. Ein kurdischer Homosexueller, der 2008 vermutlich von seinem eigenen Vater getötet wurde, da der Sohn die Familienehre beschmutzt haben soll. Beim kürzlich zu Ende gegangenen Golden Orange Film Festival sahnte der Film ganze fünf Auszeichnungen, die türkischen Äquivalente zu den US-amerikanischen Oscars, ab. Die Vorführung packte die Jury zutiefst. Co-Regisseur Mehmet Binay war schon darüber erstaunt, dass der Film überhaupt in den Wettbewerb gehen durfte, dass er auch noch Preise einfuhr, überwältigte ihn. Am 17. November wird er das erste türkische schwule Filmfestival eröffnen. Bisher haben die Generäle übrigens geschwiegen. Obwohl auch sie sicher im Publikum saßen.

Hier der Trailer zum Film:

http://www.youtube.com/watch?v=SiFA4G7VqVU

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.