Horror im Erdbebengebiet: Türkische Retter nur mangelhaft ausgestattet

Anders als von offizieller Seite bisher erklärt wurde, haben die Such- und Rettungstrupps im türkischen Krisengebiet in der Provinz Van offenbar mit "primitiven" Arbeitsbedingungen und mangelhafter Ausstattung zu kämpfen.

„Wir arbeiten mit primitven Werkzeugen, wir haben keine Ausrüstung“, berichtet einer der Retter gegenüber der türkischen Zeitung „Hürriyet“. Die Rettungshelfer berichten am Montagmorgen immer wieder von Hilferufen, die aus den eingestürzten Gebäuden kamen. Eilig begannen sie die Verschütteten zu bergen. Gegen Mittag jedoch verstummten die Rufe. Jetzt konnten sie nur noch Leichen bergen.

Nur ein Bergungsgerät für die ganze Region Erciş

„Wir kommen nicht schnell genug an die Überlebenden heran“, erzählt ein frustrierter Rettungshelfer. Die Moral unter den Einsatzkräften ist mittlerweile am Boden. Einige weinen vor lauter Frust. Natürlich habe man ein Gerät, um die Opfer unter den eingestürzten Häusern zu befreien, so die Retter weiter. Doch im ganzen Bezirk von Erciş, die am stärksten vom Erdbeben betroffene Region, gäbe es genau eines davon. „Wir rufen in die Trümmer hinein und fragen, ob sich noch jemand darin befindet“, fährt ein Mitglied eines Rettungsteams fort.

Diese müssen derzeit in einer völlig zerstörten Infrastruktur agieren. Banken, Krankenhäuser und Geschäfte sind beschädigt oder gar vollständig zerstört. Bisher gibt es jedoch noch keine Berichte von Plünderungen. Die Menschen stehen nach wie vor unter Schock.

Türkei weist Hilfe aus Israel und Deutschland ab

Die Schilderungen der Retter gegenüber „Hürriyet“ stehen im krassen Gegensatz zur offiziellen Version, man habe die Lage völlig unter Kontrolle. So wurde Hilfe aus Israel kurzerhand abgelehnt. Abdullah Gül antwortet in Richtung Israels Staatspräsident Shimon Peres, er hoffe die türkischen Rettungskräfte würden die Situation allein meistern können. Abgewiesen wurde nur wenige Stunden nachdem sich die Katastrophe ereignete auch Hilfe aus Deutschland. Ein Team der deutschen Hilfsorganisation DTRG musste kurz vor dem Start am Flughafen Berlin Tegel wieder umkehren, wie Andreas Teichert, Leiter des Krisenstabs Ostasien, den Deutsch Türkischen Nachrichten im Interview berichtet.

Die AFAD erklärte hierzu, dass das türkische Außenministerium keine internationale Hilfsanfrage gestellt habe. Ein Sprecher der AFAD betonte gegenüber den Deutsch Türkischen Nachrichten, man habe die Situation unter Kontrolle. Andreas Teichert zweifelt jedoch daran. Er glaubt, dass die Beweggründe für die Ablehnung der internationalen Hilfe politischer Natur seien.

Mittlerweile hat sich die Zahl der Erdbeben-Toten auf fast 300 erhöht. Mehr als 1000 Menschen sind verletzt. Vor Ort geht man davon aus, dass es noch Hunderte weitere Tote geben wird.

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