Türkei: Erdbebenhilfe abgelehnt, um Chaos zu vermeiden

Der stellvertretende Ministerpräsident der Türkei hat erklärt, warum die Hilfsangebote von weltweit 50 Staaten nach dem Erdbeben abgelehnt wurden. Auch die nicht angenommene Erdbebenhilfe Israels habe nichts mit den bestehenden politischen Spannungen zu tun.

Mehr als 50 Länder hatten der Türkei am Montag ihre Hilfe nach dem Erdbeben angeboten. Die Türkei lehnte jedoch alle Angebote in der Überzeugung ab, dass die inländischen Anstrengungen ausreichen würden. Ebenso war ein deutsches Rettungsteam wieder nach Hause geschickt worden.

Bülent Arinc, stellvertretender Ministerpräsident der Türkei, erklärte am Montag im Gespräch mit Journalisten nach einer allerdings Kabinettssitzung, die Türkei habe die angebotene Erdbebenhilfe aus über 50 Ländern abgelehnt, um ein Chaos in dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet zu vermeiden.

Zudem hatte die ausgeschlagene Hilfe aus Israel für Unmut gesorgt. Vermutet wurde, dass die poltischen Spannungen zwischen beiden Ländern hinter der Ablehnung steckten. Yigal Palmor, ein Sprecher des israelischen Außenministeriums, hatte mitgeteilt, Israel wäre bereit gewesen, alles anzubieten, was benötigt werde, „von Nahrung über Medizin, medizinischem Personal und Ausrüstung bis zu Such-und Rettungsteams.“ Eine Antwort aus Ankara war jedoch ausgeblieben.

Vorwürfe an die Türkei „hässlich und unpassend“

Arinc stellte diesbezüglich klar: „Diejenigen, die sagen, [dass die Türkei das Angebot Israels aufgrund der politischen Spannungen abgelehnt hat], machen einen sehr hässlich Job“. Den Vorwurf, die Türkei habe das Angebot von Israel wegen der politisch angespannten Beziehungen abgelehnt, bezeichnete er als „hässlich und unpassend“.

Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei sind seit der Tötung von neun Türken durch ein israelisches Kommando bei einer Razzia auf dem Hilfsschiff „Mavi-Marmara“ im Jahr 2010 sehr angespannt. Israel hat sich bisher geweigert, sich für die Ereignisse zu entschuldigen. Trotz ihrer belasteten Beziehungen hatte die Türkei im Dezember letzten Jahres Löschflugzeuge nach Israel geschickt, um dem Land im Kampf gegen ein Buschfeuer zu helfen, bei dem 41 Menschen starben.

Die südöstliche Region der Türkei war am Sonntagnachmittag Opfer eines schweren Erdbebens geworden. Aktuell wurden 279 Menschen tot aus den Trümmern geborgen. Hunderte werden allerdings noch immer vermisst. Die Aussicht auf deren Rettung schwindet von Stunde zu Stunde. Es gibt über 1300 Verletzte.

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