Erdbeben in Türkei: Wer bezahlt die Schäden?

Nur neun Prozent der Häuser in Van waren laut Behördenaussagen gegen Erdbeben versichert. Besonders alte Häuser stürzten wie Kartenhäuser in sich zusammen. Experten warnen nun, dass nicht nur die Häuser in den vom Erdbeben betroffenen Provinz, sondern im ganze Land betroffen seien und das Leben von Millionen Menschen bedrohen.

Weniger als zehn Prozent der Häuser in der erdbebengeschädigten östlichen Provinz Van waren versichert. Dies berichtet die Tageszeitung „Hürriyet“ unter Berufung auf Angaben des größten Versicherers für Erdbeben in der Türkei.

„Nur 7.318 der Häuser von insgesamt 84.000 in der Provinz waren versichert“, so Selamet Yazıcı, Vorstandsvorsitzender vom Türkischen Katastrophen Versicherungs-Pool (TCIP), gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. In der östlichen Region des Landes gebe es generell die niedrigste Rate an Haus-Versicherungen.

Die Zahlungen für diejenigen Menschen, deren Häuser nur leicht durch das Erdbeben beschädigt worden sind, würden innerhalb von zwei Wochen starten. Der Beginn der Zahlungen für Häuser, die deutlich beschädigt wurden, beginne in einem Monat. Die Zahl der versicherten Häusern in dem am schlimmsten betroffenen Stadtteil Erciş betrage 1.303 und im Bezirk Edremit 1.145, so Yazıcı.

Weniger Geld, weniger Einkommen, weniger Kontrollen

Laut Yazıcı liegen die Hauptgründe für die geringe Anzahl der Versicherungen in der Provinz im Wesentlichen in einem Mangel an Bewusstsein, dem durchschnittlich eher niedrigen Einkommen der Menschen und weniger Kontrollen im Vergleich zu anderen Teilen des Landes.

Doch noch ein weiterer Fakt könnte dafür verantwortlich sein, warum so viele Gebäude einstürzten. So gebe es sieben Transportbeton-Unternehmen in Van und drei weitere in Erciş, die nicht Mitglieder der türkischen Transportbeton-Union seien und sich aufgrund dessen auch nicht an deren Sicherheitsvorschriften halten würden, teilt das Blatt mit. „Wenn diese Firmen Mitglieder unserer Organisation wären, dann könnten wir sie inspizieren“, so Ayhan Güleryüz, Leiter des Vereins, gegenüber Anadolu. Des Weiteren biete der Verein kostenlose Schulungen für Techniker an.

45 Prozent der türkischen Häuser zu alt

Işık Gökkaya, Vorsitzender der Investmentgesellschaft GYODER empfiehlt, die Türkei solle dringend eine Studie zur Zahl der unsicheren Gebäuden erstellen. 45 Prozent der türkischen Häuser hätten bereits ihre Lebensdauer überschritten. Ein aktuelles Gesetz bewahre derzeit alte Gebäude vor dem Abriss. Gebäude ohne Versicherung sollten seiner Ansicht nach keine Lizenz erhalten.

Bei dem Erdbeben der Stärke 7,2 im Südosten der Türkei am Sonntag stürzten fast 3.000 Gebäude ein. Hunderte Tote und Tausende Verletzte werden befürchtet. Die Rettungskräfte versuchen verzeweifelt, weiter Lebende aus den Trümmern zu bergen.

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