Erdbeben: Bis zu 22 Jahre Haft für Baupfusch

In der türkischen Provinz Van wurden bisher fast 500 Menschen tot geborgen. Mit vielen weiteren Todesopfern wird gerechnet. Doch die Zahl hätte nicht so hoch sein müssen, meinen Experten. Baumängel seien daran schuld.

Viele Gebäude sind eingestürzt, weil beim Bau offenbar gepfuscht wurde. Die Bauunternehmer, die sparen wollten, haben nun viele Menschen auf dem Gewissen. Gegen sie soll nun härter vorgegangen werden. Sie erwartet bis zu 22 Jahre Haft.

Schon beim Marmara-Erdbeben 1999 kosteten Baumängel viele Menschen das Leben. 20.000 waren damals insgesamt gestorben. Das sollte sich nicht wiederholen. Nur noch erdbebensichere Gebäude sollten konstruiert werden, denn die Türkei ist bekanntermaßen ein Erdbebengebiet. Erdplatten reiben hier aneinander und werden auch in Zukunft weitere schwere Erdbeben verursachen.

Doch in Van spielte sich nun Ähnliches ab. Wieder stützten Gebäude komplett ein, obwohl das eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Härtere Maßnahmen werden nun gefordert. Nach dem Marmara-Erdbeben wurde dem Türkischen Strafgesetzbuch der Artikel 383 hinzugefügt. Nach diesem werden Leichtsinn und Fahrlässigkeit, die zum Tod von Menschen führen (wie bei Baumängeln im Falle eines Erdbebens), mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft. Allein der Bauunternehmer Veli Göcer und sein Geschäftspartner Ismet Kösebalan wurden zu fast 19 Jahren Haft verurteilt. Es konnte bewiesen werden, dass durch sie 167 Menschen starben. Meist liegt der Bau aber schon zu lange zurück, um belangt zu werden oder die Bearbeitung der Fälle dauerte zu lange.

Die türkische Zeitung „Vatan“ meldet, der Artikel 838 sei nun überarbeitet worden. Sowohl die Haftstrafe als auch die Verjährungsfrist wurden erhöht. Wer den Tod von einem oder mehr Menschen zu verantworten hat, muss demnach in Zukunft mit einer Haftstrafe von zwei bis 15 Jahren rechnen. Wurde dabei bewusst gehandelt und die Person nahm die Folgen in Kauf, kann die Strafe bis auf die Hälfte erhöht werden. Pfusch am Bau kann für den Verantwortlichen so 22,5 Jahre Haft bedeuten.

Mehr zum Thema:

Erdbeben in Türkei: Wer bezahlt die Schäden?

Weitere:

Sie planten das Kinderzimmer, als der Tod sie überraschte
Erdbeben: Aufruhr und Schüsse im Gefängnis von Van
Erdbeben: Bis zu 22 Jahre Haft für Baupfusch
Erdbeben: Türkei nimmt Hilfe aus dem Ausland an
Lage im Erdbebengebiet spitzt sich zu: Regen- und Schneefälle erwartet

» Lesen Sie alle Nachrichten über Erdbeben

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.