Erdbeben: Türkischen TV-Sendern droht Strafe wegen Kurden-Hetze

Türkische Moderatorinnen haben nach dem Erdbeben in Van die dortige Bevölkerung mit Terror in Verbindung gebracht. So müssten Menschen, die sonst Polizisten erschießen würden, nun auf deren Hilfe hoffen, meinte etwa Müge Anli auf dem Sender "ATV". Jetzt winkt den Sendern eine Geldstrafe wegen Aufhetzung der Bevölkerung.

Die Regulationsbehörde für die privaten Hörfunk- und Fernsehsender in der Türkei (RTÜK) hat die Moderatorinnen Müge Anli und Duygu Canbaş im Visier. Beide hatten bei ihrer Moderation zum Erdbeben in Van die betroffene Bevölkerung mit den Terror-Aktivitäten der PKK in Zusammenhang gebracht.

So meinte etwa Duygu Canbaş, die kurz nach Auftreten des Erdbebens im Osten der Türkei am Sonntag eine Live-Sendung auf dem türkischen Nachrichtensender „Habertürk“ moderierte: „Obwohl das Erdbeben in Van war, ist unsere Trauer groß.“ Van ist bekanntermaßen eine Hochburg der PKK. Hier und in anderen östlichen Provinzen kam es vermehrt zu Anschlägen. Zuletzt wurden bei einem PKK-Anschlag in der Nachbarprovinz Hakkari 24 türkische Soldaten getötet. „Habertürk“-Chef Fatih Altayli erklärte dazu, Canbaş habe lediglich ausdrücken wollen: „Das Erdbeben war in Van, hat uns aber alle erschüttert.“ Ihre falsche Wortwahl dürfe nicht aufgebauscht werden. Canbaş selbst sagte später, „Habertürk“ würde nie zwischen Menschen trennen.

Am Montag legte Müge Anli auf dem Sender „ATV“ nach. Sie benutzte allerdings noch deutlichere Worte: „Die Polizei, die bei jeder Gelegenheit von kleinen Kindern mit Steinen beworfen wird, war sofort vor Ort und hat Hilfe geleistet. Wenn wir Lust dazu haben, werfen wir auf Sicherheitskräfte mit Steinen, als ob wir Vögel fangen wollen, oder wir erschießen sie in den Bergen. Und wenn dann auf einmal was passiert, wollen wir, dass das Militär, die Polizei zur Hilfe eilt. So einfach ist das nicht. Jeder sollte wissen, wann es reicht.“

Hierdurch könne die türkisch-kurdische Beziehung noch weiter belastet werden. RTÜK wird den Vorfall untersuchen. Die TV-Sender könnte eine Geldstrafe erwarten.

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