Überlebt! Nach drei Tagen aus dem Schutt geborgen

Die Suchtrupps, welche die ganze Nacht verbissen unter Flutlicht weiter nach Opfern gesucht haben, zogen am frühen Mittwoch einen 18-jährigen Studenten und zwei junge Lehrerinnen aus den Trümmern eines Wohnhauses - mehr als 60 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben in der Osttürkei. Die Chance, weitere Überlebende zu finden, sinkt nun allerdings von Minute zu Minute.

Als Rettungskräfte Eyüp Erdem aus den Trümmern eines Hochhauses in der Stadt Erciş zogen, brachen sie in Applaus aus, berichtet „Zaman“. Gefunden hatten sie ihn mit der Hilfe von winzigen Kameras, die an Stöcken befestigt sind, um noch Überlebende in den Trümmern zu finden. Laut Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu ist Erdem verletzt und wird nun in einem Feldlazarett behandelt. Der Student, der erst einen Monat zuvor nach Erciş gekommen war, um Mechanik an der Universität zu studieren, war einer der letzten, der lebend aus den Trümmern gezogen werden konnte. Die Retter arbeiten verzweifelt gegen die Uhr, um noch weitere Überlebende zu finden.

Nach 72 Stunden kaum noch Überlebenschancen

Die Englischlehrerin Gözde Bahar wurde ebenfalls am Mittwoch mit Verletzungen, aber lebend, 67 Stunden nach dem Beben aus den Trümmern befreit. Allerdings setzte kurz ihr Herz auf dem Weg ins Krankenhaus aus und musste wiederbelebt werden. Sie ist noch immer in einem kritischen Zustand. „Natürlich habe ich noch Hoffnung“, sagt Bahars Verlobter, Hasan Gürcan (29).

Und noch eine weitere 25-jährige Lehrerin, Seniye Erdem, wurde am Mittwoch aus einer Ruine gezogen – etwa um die gleiche Zeit, als die Rettungskräfte auch die andere Lehrerin befreiten. Die Frau sei durstig gewesen, schreibt das Blatt, und habe sich nach ihrem Mann erkundigt – der leider bei dem Erdbeben gestorben war.

Rettungsarbeiten im Zentrum von Van eingestellt

Am Dienstag war wie durch ein Wunder ein 14-Tage altes Baby namens Azra gerettet worden.

„Wir haben noch Hoffnung. Es gibt immer Wunder. Normalerweise erwarten wir nach 72 Stunden keine Überlebenden mehr, aber Menschen haben auch schon länger überlebt zuvor“, so ein Mitglied des Rettungsteams. Jedoch, so schreibt „Zaman“, habe ein leitender Beamter der Rettungsmaßnahmen in Van gegenüber Reuters bereits erklärt, dass die „Such-und Rettungsaktion im Zentrum von Van nun vorbei“ seien. Man habe den Boden der Trümmer erreicht. Laut Gerald Rockenshaub, dem Manager der Katastrophenhilfe bei der Weltgesundheitsorganisation, sinken nach 72 Stunden die Chancen für Überlebende in den Trümmern deutlich, noch gerettet zu werden. Zwar könnten sie ohne Nahrung etwa eine Woche überleben, aber nicht ohne Wasser. Dies gelte insbesondere für ältere Menschen und Kleinkinder.

Das Beben hat mindestens 461 Personen getötet. Rund 2.000 Gebäude sind eingestürzt und rund 1.350 Menschen wurden verletzt. Die Tatsache, dass das Beben während des Tages stattfand, als viele Menschen außerhalb ihrer Häuser weilten, hat wahrscheinlich eine noch schlimmere Katastrophe verhindert. Mehrere Hundert Nachbeben erschütterten immer wieder die Region und versetzten die Menschen immer wieder in Panik.

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