Şahin Alpay: „Es wird keinen Bürgerkrieg zwischen Türken und Kurden geben“

Şahin Alpay, der türkische Schriftsteller und Kolumnist für die Zeitung „Zaman“ glaubt an eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts in der Türkei. Im Interview mit den Deutsch Türkischen Nachrichten erklärt er, die Strategie der Waffengewalt gegen die PKK sei der falsche Weg.

Wie konnte es dazu kommen, dass manche kein Mitleid für die Erdbebenopfer mehr zeigen, sogar denken es geschehe ihnen recht? Şahin Alpay, türkischer Schriftsteller und Kolumnist für die Tageszeitung „Zaman“, meint im Interview mit den Deutsch Türkischen Nachrichten, genau das wolle die PKK mit ihren Anschlägen erreichen: „Es ist offensichtlich, dass ein Teil der PKK den türkisch-kurdischen Konflikt weiter aufstacheln will.“ Nach den Anschlägen gingen Tausende Türken auf die Straße und protestierten gegen Terror. Die nationalistischen Aufmärsche darunter sind besorgniserregend.

Die Türkei startete eine umfassende Militäroffensive gegen die Terroristen. Alpay glaubt, das ist nicht der richtige Weg. Mittlerweile wisse jeder, dass dieser Konflikt nicht mit Gewalt zu lösen sei. Die Regierung müsse vielmehr an den Reformen festhalten und die Gespräche mit der PKK-Führung weiterführen. Denn diese gebe in letzter Zeit das Signal, die Waffen niederlegen zu wollen. Die PKK sei bei weitem nicht so homogen, wie es scheint. Die Anschläge habe der radikale Flügel der Organisation zu verantworten. Immer weniger würden mit den Terroristen sympathisieren.

Ein Erfolg, den die AKP für sich verbuchen kann. Die „Kurdische Öffnung“ ist seit dem Regierungswechsel in aller Munde. Auf der einen Seite werde die kurdische Identität nicht mehr ignoriert und es würden weitere Schritte unternommen, sich mit dieser vertraut zu machen. Auf der anderen Seite nehme die Radikalisierung ab, der Wunsch nach Frieden wachse und die PKK verliere damit an Zulauf, so Alpay.

Ursprung der PKK: Marxismus-Leninismus

Die PKK sei ursprünglich gegründet worden, um die Kurden aller Länder in einem marxistisch-leninistischen Land zu vereinen. Später habe sich das geändert und die PKK habe sich darauf konzentriert, mit Waffengewalt die Unabhängigkeit zu erlangen. Bis sich das mit den Reformen, die den Kurden mehr Rechte gewährten, verändert habe. In jüngster Zeit gebe zumindest die PKK-Führung das Signal, dass „die Ziele nicht mit Waffengewalt zu erreichen sind“. Die vordergründige Radikalisierung sei auf PKK-Mitglieder zurückzuführen, die sich gegen diese Strömung wehren wollen, meint der Journalist Alpay.

Die Gründung der BDP sei ein Zeichen für die Abnahme der PKK-Sympathien. Die BDP sei eine legale Partei, die Gewalt strikt ablehne. Sowohl die PKK, als auch die BDP hätten als Basis die kurdische Gesellschaft. Von denen jeweils nur ein kleiner Teil einen der beiden Wege gehe. Das, so Alpay, zeigen die Wahlergebnisse. „In den Gebieten, in denen Kurden die Mehrheit bilden, hat die BDP nicht die meisten Stimmen bekommen. Das zeigt, dass die BDP weit davon entfernt ist, die gesamten Kurden zu repräsentieren“, erläutert Alpay.

Şahin Alpay erwartet keinen Bürgerkrieg in der Türkei

Eine Eskalation bis hin zu einem Bürgerkrieg erwartet Alpay trotz allem nicht. „In der Türkei verbindet Türken und Kurden eine Menge: Der gemeinsame Glaube, gemischte Ehen, die Tatsache, dass Kurden im gesamten Land leben.“ Das Erdbeben in Van sei dafür ein Beweis. Die Menschen in der Westtürkei, selbst von Erdbeben in der Vergangenheit betroffen, würden den östlichen Provinzen in ihrer Not beistehen. Die Welle der Empörung, die die abfälligen Äußerungen im Fernsehen, wie die der Nachrichtensprecherin Müge Anli, nach sich zogen, sprechen für die Einschätzung Şahin Alpays.

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