Erdbeben in Türkei: Probleme bei Verteilung der Hilfsgüter

Die Zuständigen in der Erdbeben-Region der Türkei haben Probleme, die immense Flut an Paketen mit Hilfsgütern zu verteilen. Vor allem aber fehlt es noch immer an dringend benötigten Zelten, denn die kalte Witterung wird zunehmend ungemütlich. Schneefälle sind angesagt.

Ob nun Winterkleidung, Decken, Schlafsäcke, Heizgeräte, Wasser, Produkte der persönlichen Hygiene oder Zelte, die aus dem ganzen Land geschickt wurden, die Zuständigen vor Ort haben Schwierigkeiten, die Güter an den Mann zu bringen. Hunderte von Menschen hätten lange Schlangen vor dem Büro des Bezirksgouverneurs der Region Van gebildet, um sich ein Zelt für ihre Familien zu sichern, berichtet „Zaman“.

Erdogan gesteht Fehler ein, kritisiert aber die Medien

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan erkannte am Mittwoch an, dass seine Regierung als Reaktion auf das Erdbeben vom Sonntag einige Fehler gemacht habe. Gleichzeitig kritisierte er jedoch die Medien, welche die Regierung beschuldigten, die Erdbebenopfer zu spät erreicht zu haben. „Ich gebe zu, dass wir am Anfang Fehler gemacht haben innerhalb der ersten 24 Stunden. Aber das ist normal. Dies geschieht auf der ganzen Welt „, sagte Erdogan bei einem Treffen seiner Partei für AKP am Mittwoch.

Aber die Situation sei jetzt fast unter Kontrolle, sagte er: „Newsagenturen und Fernsehsender verzerren viele Dinge. Die Öffentlichkeit wurde zu keinem Zeitpunkt getäuscht. Ich werde Ihnen mitteilen, was getan wurde. Drei Millionen türkische Lira wurden zunächst in die Region entsandt. Dieser Betrag stieg haute auf zehn Millionen. Das ganze Land wurde durch das Beben vereint“, so Erdogan.

Er fügte hinzu, die Hilfsorganisation Türkischer Roter Halbmond (Kızılay) hätte 17.836 Zelte in das Katastrophengebiet gesandt, mehr als genug für die Opfer. Aufgrund eines Fehlers in der Koordination hätten diese aber nicht in vorgesehener Weise verteilt werden können. Erdoğan sagte, 60 Fertigbauhäuser und 66.760 Decken seien in das Katastrophengebiet geschickt worden.

„Leider gibt es einige Kreise, die versuchen, die Situation für politische Zwecke zu verwenden. Das ist hässlich. Es gibt einen Staat und eine Regierung, die von dieser Katastrophe mobilisiert wurden. Der Staat hilft mit all seinen Institutionen. Diejenigen, die das Erdbeben von 1999 [im Westen der Türkei] erfahren haben, wissen, dass es eine Regierung gab, die es nicht einmal schaffte, in das Erdbebengebiet zu gehen. Aber jetzt ist fast ein Viertel des Kabinetts vor Ort. Es plant, was getan werden muss und was auch getan werden wird“, so Erdogan.

Erdogan sagte auch, die schlampige Konstruktion einiger Häuser habe zu der hohen Zahl an Todesopfern beigetragen. Der Ministerpräsident fügte hinzu, dass die Türkei nicht genug von vergangenen Erdbeben gelernt habe bezüglich der Gefahr von schlecht konstruierten Gebäuden. Die Handlungen unverantwortlicher Bauunternehmen verglich er mit Mord.

Erdogan: Scharfe Kritik an der Partei BDP

Außerdem kritisierte Erdogan die mangelnde Koordination bei der Verteilung von Hilfsgütern trotz großer Mengen von Lieferungen, die in das Katastrophengebiet geschickt wurden. So könne die Istanbuler Stadtverwaltung die Gemeinden Bursa, Ankara und Erzurum versorgen. Für kleinere Gemeinden in Van, die direkt nebenan liegen, seien allerdings die Gemeinden in der Region zuständig. Offensichtliche Kritik äußerte Erdogan dabei auch an den von der Partei BDP geführten Gemeinden: „Diejenigen, die in der Lage sind, Steine auf Polizisten und Soldaten werfen zu lassen, Straßen zu verwüsten, Molotow-Cocktails zu werfen, sind nirgends in der Stunde der Katastrophe gesehen worden.“

In Erciş hatte der Türkische Rote Halbmond (Kızılay) warme Mahlzeiten für die Opfer bereitgestellt, aber es gab weiterhin Probleme mit der Verteilung der Zelte am Mittwoch. Die Erdbebenopfer hatten eine weitere sehr kalte Nacht im Freien verbringen müssen und versucht, sich warm zu halten, indem sie auf der Straße ein Feuer entfachten. Viele bauten provisorische Schuppen aufgrund der Nichtverfügbarkeit von Zelten. Kızılay war die einzige Organisation, die Zelte nach Erciş gesandt hatte. LKW´s brachten trockene Lebensmittel und sonstigen benötigte Güter, die jetzt in Hülle und Fülle vorhanden seien, lieferten aber keine Zelte. Riesige Schlangen bildeten sich dort, wo Zelte ausgegeben wurden. Beamte sagen, dass Zelte am dringendsten gebraucht würden in Erciş, vor allem da der Wetterbericht Schneefall für Van ab Mittwoch Abend vorausgesagt habe. Besonders die abgelegeneren Dörfer, die von dem Erdbeben zerstört wurden, beschweren sich, keine Hilfslieferungen und keine Zelte zu erhalten. Am Dienstag hatte Israel eine Hilfslieferung mit 100 Zelten abgesandt.

„Wir haben es nicht geschafft, dass unsere Stimme in den vergangenen drei Tagen gehört wurde. Wir haben gehört, es seien viele Kisten da, aber wir können keine von ihnen erhalten. Nicht ein einziger Beamter hat unser Dorf in den vergangenen drei Tagen besucht. Wir haben Häuser, die zusammengebrochen sind, wir haben unsere Leichen zu begraben, aber stattdessen warten wir hier auf Zelte“, so wird Yahya İnan, Leiter des Dorfes Cimen, von einem Reporter der Zeitung „Radikal“ zitiert, während er in Erciş zusammen mit vielen anderen aus anliegenden Dörfern darauf wartet, Zelte zu bekommen.

Am Mittwochnachmittag war von Offiziellen bekannt gegeben worden, dass die Zahl der Todesopfer nach dem Erdbeben 471 erreicht habe. 1.650 Personen seien bei dem Beben der Stärke 7,2 verletzt worden.

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