Erdogan: Baumängel und lasche Kontrollen mit Mord vergleichbar

Erdogan ist empört über die hohe Todeszahl beim Erdbeben in Van. Baumängel und lasche Kontrollen hätten einen großen Anteil daran. Das sei mit Mord vergleichbar, meint Erdogan. Den Vorwurf, die Regierung habe nicht schnell genug reagiert, weist er zurück.

Auf einer Versammlung mit Abgeordneten der verschiedenen Provinzen erklärte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der Einsturz von Gebäuden wegen Baumängeln sei nicht hinnehmbar. Schon beim verheerenden Marmara-Erdbeben von 1999 war das der Grund für die hohe Zahl an Opfern. 20.000 Menschen kamen damals ums Leben.

Erdogan: Gebäude werden abgerissen, auch wenn wir dadurch Stimmen verlieren

„Wenn diese Gebäude nicht von ihren Besitzern selbst geändert oder abgerissen werden, werden wir sie ohne zu fragen abreißen. Ganz egal, was für Konsequenzen das haben wird. Es interessiert uns nicht, ob wir dadurch Stimmen verlieren. Nicht mehr an der Regierung zu sein ist besser, als dieses Szenario wieder und wieder zu erleben“, so Erdogan in seiner Rede.

Nach dem Erdbeben und dem Einsturz von fast 3.000 Gebäuden war schnell klar: Hier wurde an Baumaterial gespart. Baustahl wurde nicht den Vorschriften gemäß eingesetzt und minderwertiges Material verwendet. Kontrollen wurden offenbar zu lasch durchgeführt. Diese Verstöße würden einem Mord gleichkommen, meint Erdogan.

Auf die Berichte, die Türkei würde nicht schnell und ausreichend genug gehandelt haben, reagierte er mit Empörung: „Es wurde nicht danach gegangen, ob es sich hier um Kurden, Türken oder Zaza handelt. Es wurde gesagt: ‚Unsere Menschen, unsere Bürger, unser Volk‘. Denjenigen, die das in eine andere Richtung interpretiert haben, sage ich: Es reicht! Hört endlich damit auf.“ Er betonte, in dieser Zeit müssten die 74 Millionen Menschen der Türkei zusammenhalten.

Der Grund, warum in den Medien kursiere, an einige Orte sei keine Hilfe gelangt, sei ein anderer. Internationale Experten haben beobachtet, dass die Türkei von früheren Katastrophen gelernt hat und viel schneller und besser als bei vergangenen Erdbeben gehandelt hat, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Doch zurzeit gäbe es Leute, die ein Interesse daran hätten, Hilfskräfte nicht an die notwendigen Orte kommen zu lassen, um später zu behaupten, es habe niemand geholfen, so Erdogan weiter.

Fehler in den ersten 24 Stunden

17.836 Zelte sind direkt nach dem Erdbeben von der Hilfsorganisation Roter Halbmond (Kizilay) nach Van gebracht worden. Erdogan räumt jedoch ein, in den ersten 24 Stunden habe es ein Problem bei der Verteilung der Hilfsgüter gegeben. Derzeit würden allerdings weitere Zelte und Heizöfen Van erreichen.

Erdogan erklärte außerdem, was für eine Organisation die PKK sei, habe sich am Dienstag erneut gezeigt. Als in Van alle mit dem Erdeben beschäftigt waren, wurde ein Bombenanschlag auf ein Militärfahrzeug verübt, bei dem vier Soldaten verletzt wurden. Erdogan erlaube nicht, dass der Schmerz und die Trauer der Menschen ausgenutzt würden, um das Land zu spalten. Als Antwort auf diese Aktionen sollten sich die Menschen in Zusammenhalt umarmen und aneinander festhalten.

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