Erdbebensicherheit: Die Gefahr lauert in alten Baugenehmigungen

Nicht nur durch die Bewegungen der Erdplatten droht in der Türkei weiterhin Gefahr durch Erdbeben. Auch die Bürger selbst schaffen Risiken. Noch immer stehende Tausende von Baugenehmigungen vor der Umsetzung, die nicht den neuesten Anforderungen entsprechen.

Problematisch sind all jene Bauanträge, die von den Behörden noch bis Ende der zweiten Hälfe des Jahres 2010 und damit kurz vor in Kraft treten einer neuen Gesetzgebung, die sich um Qualitätskontrollen und Inspektionen von Gebäuden bemüht, genehmigt wurden. Diese veraltete Bauanträge, so äußern Experten wie İbrahim Sağır von der Qualitätssicherungsbehörde in Van oder Ali Yavuz Dere von der Baubehörde in Kütahya gegenüber der türkischen Tageszeitung „Zaman“, untergraben massiv die offiziellen Bemühungen die Erdbebensicherheit von Häusern zu verbessern.

Erdoğan illegale und schlampig errichtete Häuser abreißen

Das verheerende Erdbeben von Van am vergangenen Wochenende hat erneut offenbart, dass eine der besten Schutzmaßnahmen in einer solchen Situation starke Gebäude sein müssen, die nicht über ihren Bewohnern zusammenstürzen. Daran, genau das langfristig umzusetzen, arbeitet auch die türkische Regierung. Wie wichtig dieser Punkt gerade in der Baupraxis ist, das sei laut den Experten allerdings noch nicht ins öffentliche Bewusstsein gedrungen.

Premierminister Recep Tayyip Erdoğan kündigte am vergangenen Mittwoch bei einer Zusammenkunft der AKP erneut an, dass alle illegalen Bauten und schlampig errichteten Gebäude im gesamten Land abgerissen werden,“auch wenn wir dadurch Stimmen verlieren sollten“.

Nach neuesten Angaben der türkische Katastrophenschutzbehörde (AFAD) ist die Anzahl der Toten durch das starke Erdbeben am vergangenen Sonntag mittlerweile auf 534 Opfer angestiegen (Stand Donnerstagmorgen). Die Zahl der Verletzten liegt bei 1,650 und weitere 185 Personen konnten aus eingestürzten Gebäuden befreit werden.

Alte Baugenemigungen verlangen keine Gebäudeinspektion

Doch trotz der jüngsten verheerenden Zahlen scheinen die Bemühungen der Regierung Standards zu verbessern nicht auszureichen. Laut Branchenexperten gebe es immer noch genügend Hausbesitzer und Bauherren, deren Kostenbewusstsein zum Nachsehen der Qualität geht. Die Folge, sie greifen auf minderwertigere Materialien zurück und lassen Bauvorschriften schlicht außer Acht. Allein in den letzten sechs Monaten des Jahres 2010 stürmten daher Tausende von potentiellen Bauherren in die Amtsstuben und ließen sich ihre Vorhaben, die sie erst in den nächsten zwei bis drei Jahren umsetzen wollen, noch nach der alten Regelung genehmigen.

So werden nun auch in Zukunft Häuser entstenden, die alles andere als auf sicherem Fuße stehen und sich wahrscheinlich niemals einer Gebäudeinspektion nach neuestem Standard unterziehen müssen. Baungenehmigungen sind in der Türkei fünf Jahre gültig.

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