50 Jahre Gastarbeiter: Holt euch bessere Redenschreiber!

Am 31.10. gedenken die Türkei und Deutschland dem Abwerbeabkommen. Die ständigen Mahnungen der deutschen Politiker zur Integration gehen denen, die integriert sind, auf die Nerven.

Ein türkisches Sprichwort lautet: Nach drei Tagen kann man kein Gast mehr sein. Nach 50 Jahren hat sich erübrigt, überhaupt darüber nachzudenken, ob wir in Deutschland Gäste sind oder nicht, ob willkommen oder nicht. Die jungen Deutsch-Türken sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie haben alles, was auch deutsche Jugendliche haben. Mehr noch: Der türkische Hintergrund ist für sie schon lange kein Defizit mehr. Ganz im Gegenteil: Er ist ein Bonus. Ein Bonus an Kultur, an Sprache und auch an Heimat. Wann, wie und weshalb die Großeltern nach Deutschland gekommen sind mag interessant sein, relevant ist dies für uns jüngere Deutsch-Türken schon lange nicht mehr.

Auf die Wochenansprache der Bundeskanzlerin werden viele, vor allem die älteren, gewartet haben. Feierliche, anerkennende Worte, am besten eine Ansprache an alle Bürger Deutschlands – ohne einen Unterschied zwischen Deutschen und Türkisch-Stämmigen zu machen. Doch Merkel fiel wieder nichts Besseres ein, als den Integrationsverweigerern ins Gewissen zu reden.

Deutsch-Kenntnisse und gute schulische Leistungen, das sind die Erwartungen, die die Bundeskanzlerin an die jungen Deutsch-Türken hat. Nur so könnten sie zur Gesellschaft dazu gehören. Es gebe noch viele Probleme in der Integration, sagte Merkel. Spätestens beim fünften Hinweis innerhalb von knapp sechs Minuten fühlen sich auch die, die auch nur im entferntesten einen Migrationshintergrund haben könnten, wie im Büro des Schuldirektors. „Und ich komme immer wieder auf dasselbe Thema zurück, man kann sich ein Land nur erschließen, wenn man auch die Sprache kann“, predigte die Bundeskanzlerin.

Wir jungen Türken fragen uns: Haben uns die deutschen Politiker nichts anderes zu sagen? Wir haben das Abitur gemacht, studieren an der Universität, stehen im Berufsleben. Viele von uns sind Unternehmer, Ärzte, Rechtsanwälte, Politiker. Wir fühlen uns wohl in Deutschland und vertreten das Land sogar in seiner Fußballnationalmannschaft.

Wir glauben, dass es nach 50 Jahren an der Zeit ist, dass uns die deutsche Politik sieht, wie wir wirklich sind: Vollständig emanzipiert. Daher unser Vorschlag: Sagt uns etwas Interessantes! Holt Euch bessere Redenschreiber. Dann werden wir Euch auch zuhören – und gerne mitdiskutieren.

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